Schörfling am Attersee

Die imposante Pfarrkirche Sankt Gallus steht am höchsten Punkt des oberösterreichischen Marktorts Schörfling am Attersee. Der Sage nach wurde der Bauplatz durch ein Gottesurteil bestimmt. (2014)
Während die Chorausstattung der Schörflinger Sankt Gallus-Kirche gegen Ende des 19. Jahrhunderts regotisiert wurde, stammen die beiden Seitenaltäre noch aus der Barockzeit. (2014)
Die spätgotische Pfarrkirche von Schörfling entstand in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In der Barockzeit wurde die Empore erweitert, 1991 eine neue Orgel eingebaut. (2014)
Der Marktort Schörfling am Attersee wurde wiederholt von schweren Brandkatastrophen heimgesucht, die auch die Kirche in Mitleidenschaft zogen. (2014)
Der Turm der Sankt Gallus-Kirche erhielt 1873 sein heutiges Aussehen. Er ragt 60 Meter in die Höhe. (2014)
Die Glasgemälde im Chor zeigen Szenen aus dem Gallusleben. Sie stammen von der Glasmalerei-Anstalt Neuhauser in Innsbruck und wurden im Jahr 1890 eingesetzt. (2015)
In der Taufkapelle im Seitenschiff der Schörflinger Kirche hängt heute das Altarblatt des einstigen barocken Hochaltars. Es stammt von Johann Georg Wambacher und zeigt die Himmelfahrt des heiligen Gallus sowie die Heilung der Fridiburga. (2015)
Der Kirchenpatron Gallus ziert die Stützmauer an der Schörflinger Kirche. Neben dem traditionellen Bären begleiten ihn auch Hühner und ein Hahn (lat. Gallus). Sein Name machte Gallus auch zum Patron des Federviehs. (2014)
Der Hahn ziert auch einen Brunnen an der Schörflinger Gmundnerstraße. (2014)

Die heutige Marktgemeinde Schörfling am Attersee wird im Jahr 803 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Mondsee als Sceroluingen erstmals erwähnt. Mondsee war 748 vom Bayernherzog Odilo gestiftet worden. Nach seiner Eingliederung ins Fränkische Reich wurde es zum Reichskloster und erfuhr – ähnlich wie zu jener Zeit auch das Kloster St.Gallen – großzügige Förderung. Mondsee wurde – wie St.Gallen – zu einem Zentrum der »karolingischen Renaissance«.

Die lokale Forschung geht davon aus, dass in Schörfling am Attersee schon im 10. Jahrhundert die erste Holzkirche gebaut wurde, möglicherweise durch das Kloster Mondsee. Die Errichtung der Pfarrei Schörfling wird im 12. Jahrhundert vermutet und mit dem damaligen Ausbau der Pfarreiorganisation im Bistum Passau in Zusammenhang gebracht. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts dürfte – vielleicht im Zuge der Pfarreigründung – die erste Steinkirche entstanden sein. Einige Mauerreste eines romanischen Vorgängerbaus haben sich in den Chorwänden bis heute erhalten. Kirchenheiliger von Schörfling ist Sankt Gallus. Sein Patrozinium könnte durchaus ins 12. Jahrhundert zurückweisen, im Falle einer Kirchengründung durch das Benediktinerkloster Mondsee sogar noch weiter.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde ein Neubau der Schörflinger Pfarrkirche beschlossen. Der Baubeginn fällt in die Amtszeit von Pfarrer Johann Guldein (1463–1478). In Aurach am Hongar, das damals kirchlich noch zu Schörfling gehörte, wurde eigens für den Kirchenbau eine Ziegelei betrieben. Am 14. September 1476 weihte der Passauer Weihbischof Albert Schönhofer († 1493) den Chor. Die Seitenkapelle – heute Taufkapelle – wurde 1496 konsekriert. Der Bau des Kirchturms konnte erst um 1640 in Angriff genommen werden, denn politische, konfessionelle und soziale Spannungen führten zu einer längeren Unterbrechung der Bautätigkeit.

Die Gemeinde Schörfling schloss sich bald nach 1517 der Reformation Martin Luthers an, die in der ganzen Region eine starke sozialrevolutionäre Dynamik entwickelte und mit schrecklichen ›Bauernkriegen‹ einherging. Der Patronatsherr der Sankt Gallus-Kirche, Franz Christoph von Khevenhüller (1588–1650), setzte im Zuge der Gegenreformation wieder einen katholischen Geistlichen in Schörfling ein und führte so die Bevölkerung zum alten Glauben zurück. Khevenhüller war selber als Protestant aufgewachsen, 1609 jedoch zum Katholizismus konvertiert. Zur Stärkung des katholischen Glaubenslebens ließ er der Pfarrkirche eine Loretokapelle anbauen, die sich bald zu einem bedeutenden regionalen Wallfahrtsort entwickelte und Schörfling eine wirtschaftliche Blütezeit bescherte. Am 30. Mai 1787 suchte eine schwere Brandkatastrophe den Marktort heim. Auch die Pfarrkirche Sankt Gallus wurde beschädigt, die Loretokapelle zerstört. Da der ›aufgeklärte‹ Kaiser Joseph II. (1741–1790) das Wallfahrtswesen schon vor dem Brand stark eingeschränkt hatte und die Pilgerfahrt keine guten Einkünfte mehr versprach, wurde die Loretokapelle nicht mehr neu aufgebaut.

Am 11./12. April 1828 erlitt Schörfling erneut eine schwere Brandkatastrophe, bei der auch das Dach und der Turm der Kirche beschädigt wurden. 1873 erhielt der Turm einen neuen Helm und damit sein heutiges Aussehen. Im 19. Jahrhundert wurden, vor allem im Chor der Kirche, einige Bau- und Ausstattungselemente aus der Barockzeit wieder entfernt, das Gotteshaus regotisiert. Alle Änderungen fügen sich gut in die mittelalterliche Architektur ein, weshalb die Pfarrkirche Sankt Gallus von Schörfling heute zu den herausragenden Beispielen der spätgotischen Architektur im Attergau zählt.


Panorama
 
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Literatur

Erhart, Peter; Kuratli Hüeblin, Jakob; Oberholzer, Paul, 1400xGallus, St.Gallen 2012.

Pechloff, Ursula, Schörfling am Attersee, Passau 1992 (Peda-Kunstführer 055/1992).

Staerkle, Paul, Von den Sankt Gallus-Patrozinien, in: Bischöfliches Ordinariat und Katholischer Administrationsrat St.Gallen (Hg.), Sankt Gallus Gedenkbuch. Zur Erinnerung an die Dreizehnhundert-Jahr-Feier vom Tode des heiligen Gallus am 16. Oktober 1951, St.Gallen 1952, S. 48–74.

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Stand: Dezember 2017