Feckenhausen

Die heutige Kirche von Feckenhausen (Rottweil) wurde 1871 errichtet und ist dem Erzengel Michael geweiht. Vielleicht stand in Feckenhausen schon im 10. Jahrhundert eine Kirche, die den heiligen Gallus als Patron hatte. (2017)
Der einzige Hinweis auf eine Feckenhausener Sankt Gallus-Kirche stammt aus dem Jahr 1466. Diese könnte vom Kloster St.Gallen errichtet worden sein. (2017)
In der heutigen Sankt Michaels-Kirche erinnert nichts mehr an die einstige Verbindung Feckenhausens zum Kloster St.Gallen. (2017)

Am 6. August 902 beurkundete König Ludwig das Kind einen Gütertausch mit dem Kloster St.Gallen. Er übergab Abt Salomo III. seine Besitzungen in Feckenhausen und einigen weiteren Orten und erhielt dafür vom Kloster den Hof Pappenheim. Es kam Salomo wohl nicht ungelegen, die weit von St.Gallen entfernten Pappenheimer Güter gegen Besitzungen im Bodenseegebiet und in der Baar einzutauschen, wo das Kloster bereits eine erhebliche Machtstellung innehatte und diese nun noch weiter ausbauen konnte.

Zur seelsorgerischen Betreuung der lokalen Bevölkerung – aber auch zum Zeichen und zur Festigung seiner Herrschaft – errichtete das Kloster St.Gallen im Frühmittelalter auf seinen Besitzungen bisweilen neue (Pfarr-) Kirchen und weihte sie dem heiligen Gallus. So vielleicht auch in Feckenhausen, wo das Kloster durch das Tauschgeschäft von 902 wohl zum wichtigsten Grundherrn geworden war. Zwar lässt sich die These einer frühmittelalterlichen Kirchengründung weder urkundlich noch archäologisch nachweisen. Die frühe Geschichte der Feckenhausener Kirche liegt völlig im Dunkeln. Eine Notiz vom 28. April 1466 nennt allerdings den Priester einer »Pfarrkirche Sankt Gallus in Feckenhausen« (parochialis ecclesia sancti Galli in Feckenhusen), und wer sonst könnte eine solche errichtet haben, wenn nicht das Kloster St.Gallen?

Nach 1466 verliert sich die Spur der Feckenhausener (oder Vockenhausener?) Sankt Gallus-Kirche wieder. Auf der Rottweiler Pürschgerichtskarte von 1564 ist das Dorf ohne Gotteshaus abgebildet. Allerdings legen Archivdokumente aus jener Zeit die Existenz einer Kirche – oder wenigstens eines Kirchenvermögens – nahe. 1592 ist in den Rechnungsbüchern des Spitals zu Rottweil, das seit dem 16. Jahrhundert der wichtigste Inhaber von Gütern und Rechten in Feckenhausen war, ein Beitrag an den Kirchenbau verzeichnet. Ob er für einen Neubau oder ›nur‹ für Renovierungsarbeiten eingesetzt wurde, bleibt jedoch unklar. Im Dreißigjährigen Krieg soll die Feckenhausener Kirche zerstört worden sein. 1710 entstand ein neues Gotteshaus; es wurde am 17. Juli »zu größerer Ehre Gottes und des heiligen Michael als Kirchenpatron« geweiht. 1803 wurde Feckenhausen (wieder?) zur selbständigen Pfarrei erhoben, nachdem das Dorf zuvor kirchlich zu St. Pelagius in Rottweil gehört hatte. 1871 fiel die Sankt Michaels-Kirche einem Brand zum Opfer und musste neu errichtet werden.


Panorama
 
Dieser Inhalt benötigt HTML5/CSS3, WebGL, oder Adobe Flash Player Version 9 oder höher.
Literatur

Kennen Sie noch weitere Literatur zu dieser Kirche? Helfen Sie mit, indem Sie uns diese mitteilen. Vielen Dank!

Stand: Dezember 2017