Wassen

Die Sankt Gallus-Kirche von Wassen ist das Wahrzeichen der alten Gotthard-Bahnstrecke. Die heutige Kirche wurde im Jahr 1735 geweiht, die Gotthardbahn nahm 1882 den Betrieb auf. (2012)
Am Bahnhof von Wassen hält schon lange kein Zug mehr. Und seit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels hat die gesamte Gotthard-Bergstrecke viel von ihrer Bedeutung verloren. (2012)
Diesen Blick aus dem Zugfenster auf das ›Chileli von Wassen‹ kann heute nur noch genießen, wer im Regionalzug auf der alten Gotthardstrecke reist. (2012)
Auch dieses Bild eröffnet sich nur dem Zugreisenden. (2012)
…und dieses…(2012)
…und dieses. (2012)
An der Ausstattung der barocken Sankt Gallus-Kirche von Wassen wurde noch bis 1742 gearbeitet. Zwischen 1965 und 1968 fand eine umfassende Renovierung statt. (2018)
Bild des heiligen Gallus am Hochaltar der Kirche von Wassen. (2012)
Die Deckengemälde zeigen Szenen aus dem Gallusleben: Heilung der Fridiburga in Überlingen…(2012)
…Predigt in Konstanz…(2012)
…Tod des heiligen Gallus in Arbon. (2012)
Im Dorf Wassen begegnet man dem heiligen Gallus nicht nur in, sondern auch außerhalb der Kirche, beispielsweise über dem Haupteingang. (2012)
Seine Figur ziert – begleitet vom Bären – auch den Stock des Dorfbrunnens. (2011)
Im Wappen von Wassen erinnert der Holz tragende Bär an den Kirchenpatron Gallus. (Bildquelle: Wikipedia)

In Wassen im urnerischen Reusstal wird Gallus – der Reisende – schon seit dem Mittelalter verehrt. Das älteste schriftliche Zeugnis, das ihn als Patron der dortigen Pfarrkirche nennt, stammt aus dem Jahr 1480. Wassen war ein wichtiger Etappenort auf dem beschwerlichen Weg über den Gotthardpass. Es erscheint bereits im 14. Jahrhundert in einem Reiseführer für Pilger. Die Kirche des heiligen Gallus, die auf einer markanten Felskanzel über dem Dorf und dem Tal thront, hat seither vielen Reisenden den Weg gewiesen.

Das ›Chileli von Wassen‹, wie die Galluskirche liebevoll genannt wird, wurde durch die 1882 eröffnete Gotthardbahn weltberühmt. Die Bahnlinie muss in der rauen Tallandschaft rund um Wassen eine Höhendifferenz von 370 Metern überwinden, was die Ingenieure zu einer spektakulären Streckenführung zwang. Mit Hilfe von Kehrtunnels, die nördlich und südlich des Dorfes tief in den Berg gehauen wurden, gewinnen die Züge die nötigen Höhenmeter. Dabei fahren die Reisenden dreimal – jeweils in entgegengesetzter Richtung – an Wassen vorbei. Die Galluskirche präsentiert sich jedes Mal aus einer neuen Perspektive.

Wer seine Reise unterbricht und das Dorf Wassen besucht, merkt, dass das ›Chileli‹ gar kein Kirchlein, sondern eine stattliche barocke Kirche ist. Nur der Turm, der beim Neubau von 1734 von der Vorgängerkirche übernommen wurde, wirkt etwas schmächtig. Vielleicht ist er es, der die Kirche kleiner erscheinen lässt, als sie in Wirklichkeit ist. Er ist es aber auch, der das ›Chileli‹ unverkennbar macht. Die Galluskirche von Wassen ist zum Wahrzeichen der Gotthardstrecke geworden.

Seit der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels zwischen der Innerschweiz und dem Tessin führt die schnellste Zugsverbindung nicht mehr am ›Chileli‹ von Wassen vorbei. Die eiligen Reisenden bekommen von der grandiosen Streckenführung der alten Gotthardbahn nichts mehr mit; sie rasen ihrem Ziel durch einen 50 Kilometer langen Tunnel entgegen – ohne Aussicht, dafür mit superschneller Internet-Verbindung gegen die Langeweile. Reisende, die den Blick auf die schöne Bergwelt und das ›Chileli‹ von Wassen dem schnellen Fahr- und Surferlebnis vorziehen, kommen im Regionalzug immer noch auf Ihre Rechnung. Und auch die Gotthard-Autobahn führt nach wie vor an Wassen vorbei, doch ist ihre Streckenführung weit weniger attraktiv als jene der alten Gotthardbahn.


Panorama
 
Dieser Inhalt benötigt HTML5/CSS3, WebGL, oder Adobe Flash Player Version 9 oder höher.
Literatur

Catalogus personarum ecclesiasticarum et locorum dioecesis Constantiensis, Konstanz 1755.

Catalogus personarum ecclesiasticarum et locorum dioecesis Constantiensis, Konstanz 1769.

Anderes, Bernhard; Hauser, Albert; Lehmann, Norbert (Hg.), allerHeiligen. Namens- und Kirchenpatrone, Schutzheilige, Nothelfer, Pfäffikon 1998.

Blickle, Peter, Warum blieb die Innerschweiz katholisch?, in: Mitteilungen des historischen Vereins des Kantons Schwyz 86 (1994), S. 29–38.

Brunner, Thomas, Wassen und seine Kirche, Bern 2007 (Schweizerische Kunstführer GSK).

Brunner, Thomas, Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri. Band IV. Oberes Reusstal und Ursern, Bern 2008 (Die Kunstdenkmäler der Schweiz 114).

Erhart, Peter; Kuratli Hüeblin, Jakob; Oberholzer, Paul, 1400xGallus, St.Gallen 2012.

Euw, Aloys von, Wenn Gallus und Otmar das Abenteuer wagen, Schwyz 2010.

Hecker, Clemens, Die Kirchenpatrozinien des Archidiakonats Aargau im Mittelalter, Freiburg i. Ü. 1946 (Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichte Beiheft 2).

Kraus, Johann Adam, Aus den Tagebüchern dreier (Weih)-Bischöfe von Konstanz, in: Freiburger Diözesanarchiv 82/83 (1962/63), S. 320–405.

Lussmann, Ludwig, Kleiner Führer in und um Wassen am Gotthard.

Müller, Iso, Zur Besiedlung der Gotthard-Täler, in: Der Geschichtsfreund. Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz 111 (1958), S. 5–35.

Nüscheler, Arnold, Die Gotteshäuser der Schweiz. Historisch-antiquarische Forschungen, Bisthum Constanz. Archidiakonat Aargau. Dekanat Luzern. Teil 4, Kanton Uri und Nidwalden, in: Der Geschichtsfreund. Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz 47 (1892), S. 117–224.

Pfaff, Carl, Pfarrei und Pfarreileben. Ein Beitrag zur spätmittelalterlichen Kirchengeschichte, in: Historischer Verein der Fünf Orte (Hg.), Innerschweiz und frühe Eidgenossenschaft. Jubiläumsschrift 700 Jahre Eidgenossenschaft, Olten 1990, S. 203–282.

Staerkle, Paul, Von den Sankt Gallus-Patrozinien, in: Bischöfliches Ordinariat und Katholischer Administrationsrat St.Gallen (Hg.), Sankt Gallus Gedenkbuch. Zur Erinnerung an die Dreizehnhundert-Jahr-Feier vom Tode des heiligen Gallus am 16. Oktober 1951, St.Gallen 1952, S. 48–74.

Tremp, Ernst, Buchhaltung des Jenseits. Das Buss- und Ablasswesen in der Innerschweiz im späten Mittelalter, in: Der Geschichtsfreund. Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz 143 (1990), S. 103–144.

Kennen Sie noch weitere Literatur zu dieser Kirche? Helfen Sie mit, indem Sie uns diese mitteilen. Vielen Dank!

Stand: Dezember 2017