Kollnau

Vielleicht geht die Bläsikapelle von Kollnau auf ein Sankt Gallus-Heiligtum zurück. Berühmt wurde das Gotteshaus allerdings erst durch die Wallfahrt zum heiligen Blasius. (2016)
Die Bauetappen der Bläsikapelle sind von außen gut sichtbar. Links das großzügige Langhaus von 1887/88 mit dem Dachreiter, rechts die alte Kapelle, die heute den Chorraum des Gotteshauses bildet. (2016)
Blick ins Innere der Kollnauer Bläsikapelle. Der ursprüngliche Bau war nicht grösser als der heutige Chorraum und ist in seinen Grundmauern noch angedeutet. (2016)
Der barocke Hauptaltar mit der Statue des heiligen Blasius wurde bei der Kapellenerweiterung von 1887/88 zum Seitenaltar. Der damals aufgerichtete neugotische Hauptaltar ist heute nicht mehr erhalten. (2016)
Die Heiligenfigur mit Krummstab und Mitra wurde früher als Sankt Gallus verehrt. Heute gehen die Forscher davon aus, dass es sich bei der Figur um die in der Reformation von Mußbach nach Kollnau geflüchtete Blasiusstatue handeln könnte. (2016)
Direkt neben der alten Wallfahrtskapelle gibt es eine Gaststätte. Irgendwie ist in Kollnau die barocke Lebensfreude erhalten geblieben. (2016)

Die Anfänge der Bläsikapelle (Sankt Blasius-Kapelle) im Kollnauer Kohlenbachtal liegen im Dunkeln. Eine alte, heute verschollene Inschrift habe Sankt Gallus erwähnt, weshalb die lokale Tradition das Gotteshaus auf eine dem heiligen Gallus geweihte Vorgängerkapelle oder einen Sankt Gallus-Bildstock zurückführt.

Auch der Ursprung des heutigen Blasius-Patroziniums, das möglicherweise das ältere Gallus-Patrozinium ablöste, ist nur in einer – nicht wirklich alten – Inschrift überliefert. In der Reformation habe ein Unbekannter das Bild des heiligen Blasius aus dem vom Glauben abgefallenen Mußbach (Gemeinde Freiamt) hinüber in das Kohlenbachtal gerettet. Solange Blasius hier als Patron verehrt werde, erfülle er gewiss jede Bitte. Tatsächlich scheinen die Gläubigen dem Nothelfer Blasius – dem Patron der Ärzte, des Viehs und der Halskrankheiten – schon früh großes Vertrauen geschenkt zu haben. Bereits 1573 verfügte die Kapelle über ein beachtliches Vermögen, was auf eine gedeihende Wallfahrt schließen lässt.

In der Barockzeit erlangte die Wallfahrt zu Sankt Bläsi im Kohlenbach überregionale Bedeutung. Unter den Pilgern herrschte der Brauch, Naturalien mitzubringen, die dann vor Ort an die Armen verteilt wurden. Der aufgeklärten Regierung der Säkularisationszeit war die blühende Wallfahrt im ländlichen Kollnau ein Dorn im Auge. Weil die obrigkeitliche Propaganda gegen die Wallfahrt nicht fruchtete, verfügte das Großherzoglich-Badische Direktorium 1811 die Liquidation der Kapellstiftung und die Profanierung der Bläsikapelle. Da sich die Gläubigen davon aber nicht beeindrucken ließen, beschloss das Innenministerium ein Jahr später die Versteigerung der Kapelle. Doch hatte man die Rechnung ohne die Bevölkerung gemacht! Die Gemeinde Kollnau stand zusammen und ersteigerte die Kapelle, um den Fortbestand des Gottesdienstes zu sichern. Es wurden ihr aber noch viele Steine in den Weg gelegt. Erst 1854 konnte wieder die erste Heilige Messe in der Bläsikapelle gefeiert werden – unter Beteiligung von 1500 Gläubigen.

Bald war die Kapelle zu klein. 1887/88 wurde ein neues Langhaus errichtet; die bisherige Kapelle blieb als Chorraum des neuen Gotteshauses erhalten. 1935, 1959, 1982/83 und 2011 erfolgten Renovierungen der Kapelle. Bei der Instandsetzung von 1982/83 wurden die teilweise äußerst wertvollen Statuen im Chor durch Kopien ersetzt, darunter ein sitzender Bischof oder Abt aus der Zeit um 1200, der neben Krummstab und Mitra keine weiteren Attribute trägt. Diese Figur wurde früher als Gallus (oder Nikolaus) verehrt, wobei die Identifikation als Gallus auf das ursprüngliche Kapellpatrozinium hinweisen könnte. Die moderne Forschung geht allerdings eher davon aus, dass es sich bei der Heiligenfigur um die in der Reformation aus Mußbach geflüchtete Blasiusstatue handeln könnte. Damit ließe sich die Legende vom Ursprung des Blasius-Patroziniums bestätigen. Die Frage, ob die Bläsikapelle von Kollnau ursprünglich Sankt Gallus zum Patron hatte, bleibt dagegen unbeantwortet.


Panorama
 
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Literatur

Mühleisen, Hans-Otto, Seelsorgeeinheit Waldkirch. Kirchen und Kapellen, Lindenberg i. A. 2012.

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Stand: Dezember 2017