Brütten

Brütten wird in einer Schenkungsurkunde an das Kloster St.Gallen aus dem Jahr 876 erstmals schriftlich erwähnt. Das (ehemalige) Galluspatrozinium der Brüttener Kirche könnte darauf hindeuten, dass das erste Gotteshaus im Ort vom Kloster St.Gallen errichtet wurde. (2013)
Die heutige evangelisch-reformierte Kirche wurde 1907–08 nach Plänen der Architekturgemeinschaft Robert Rittmeyer (1868–1960) und Walter Furrer (1870–1949) gebaut. Sie steht im Brüttener ›Oberdorf‹. (2016)
Das schlichte Kirchenschiff ist ganz auf die Kanzel und die darüberliegende Orgel- und Sängerempore ausgerichtet. Im rechten Obergeschoss wird der Kirchenraum durch eine Seitenempore erweitert. (2013)
Brütten, Mittelpunkt der amtlichen Vermessung des Kantons Zürich
Aufgrund seiner peripheren Lage ohne Eisenbahnanschluss und abseits der wichtigen Verkehrsrouten war Brütten noch bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ein vorwiegend bäuerlich geprägter Ort. Brütten ist zwar nicht gerade der Nabel der Welt, aber immerhin befindet sich hier der Mittelpunkt der amtlichen Vermessung des Kantons Zürich. (2013)
Der herrliche Ausblick, den man von Brütten aus genießt, soll 1799 Erzherzog Karl von Österreich zum Ausruf veranlasst haben: »Wär ich ein Schweizer, so baute ich mir hier ein Schloss.« (2013)

In Brütten dürfte schon im 9. Jahrhundert ein Gotteshaus gestanden haben. Schriftlich belegen lässt sich eine Kirche zwar erst seit 1223, doch ihr einstiger Patron – der heilige Gallus – deutet auf eine Errichtung durch das Kloster St.Gallen hin. Dieses besaß in Brütten bis zum Beginn des 10. Jahrhunderts vermutlich umfangreiche Güter, die dann allerdings von weltlichen Herren entfremdet wurden. Im Jahr 979 gelangte Brütten über Verwandte des ersten Einsiedler Abts Eberhard († 958) an das Kloster Einsiedeln. Möglicherweise erfolgte diese Übertragung (im Tausch gegen Güter am Oberrhein) nicht zuletzt deshalb, weil das Adelsgeschlecht der Eberharden Rückgabeforderungen des Klosters St.Gallen entgegenwirken wollte. Mit Erfolg: 996 bestätigte Kaiser Otto III. Einsiedeln den Brüttener Besitz, und in der Folge übte dieses Kloster seine Rechte bis ins 19. Jahrhundert hinein weitgehend ungehindert aus.

Brütten liegt auf einer exponierten aber fruchtbaren Hochebene (ca. 600 M. ü. M.) etwas südwestlich der zürcherischen Stadt Winterthur. Auf dem Gemeindegebiet wurden die Reste einer Römerstraße (Vindonissa-Brigantium) sowie einer spätrömischen Villa gefunden. Die eigentliche Besiedelung erfolgte aber erst durch die Alemannen. Erstmals schriftlich erwähnt ist Brütten (Pritta) in einer Urkunde vom 19. Juli 876. Darin überträgt die adlige Richkart dem Kloster St.Gallen ihren ererbten Besitz in Brütten unter der Bedingung, dass ihr das Kloster bis zu ihrem Tod Güter in Glattburg zur Verfügung stellt. Richkart könnte aus dem Umkreis der wohlhabenden Landolt-Beata-Sippe stammen, der das Kloster etliche bedeutende Schenkungen (zum Beispiel in Uznach) verdankte.

Das Kloster Einsiedeln ließ seinen umfangreichen Brüttener Besitz, zu dem fünf große Höfe gehörten, durch Ministeriale verwalten, die 1246 als miles de Britton erstmals schriftlich fassbar werden. Ursprünglich gehörte Brütten wohl zur sanktgallischen Großpfarrei Illnau. Wann genau die Galluskapelle zur Pfarrkirche wurde, ist unklar. 1349 erreichte der Einsiedler Abt Heinrich II. jedenfalls die Inkorporation der Pfarrkirche. Neben der Kollatur besaß Einsiedeln in Brütten das Zehnten-Einzugsrecht sowie das Niedergericht. Diese Rechte bleiben dem Kloster grundsätzlich auch erhalten, nachdem in Brütten die Reformation durchgesetzt worden war. Zürich beanspruchte nun ein Mitspracherecht bei der Pfarrwahl, wobei der Einsiedler Abt jeweils aus einem Dreiervorschlag auswählen konnte. Die Rechte des Klosters Einsiedeln überdauerten auch die Revolution und die Zeit der Helvetik. Erst 1834 kaufte der Kanton Zürich dem Kloster Einsiedeln die Pfrund- und Kollaturrechte in Brütten ab.


Panorama
 
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Literatur

Gubler, Hans Martin, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band VII. Der Bezirk Winterthur. Südlicher Teil, Basel 1986.

Gubler, Hans Martin, Reformierte Kirche Brütten ZH, Bern 1986 (Schweizerische Kunstführer Serie 39, Nr. 388).

Haid, Wendelin, Liber decimationis cleri Constanciensis pro Papa de anno 1275, in: Freiburger Diözesanarchiv 1 (1865), S. 1–303.

Kläui, Hans et al., Geschichte der Gemeinde Brütten, [Brütten] 1972.

Staerkle, Paul, Von den Sankt Gallus-Patrozinien, in: Bischöfliches Ordinariat und Katholischer Administrationsrat St.Gallen (Hg.), Sankt Gallus Gedenkbuch. Zur Erinnerung an die Dreizehnhundert-Jahr-Feier vom Tode des heiligen Gallus am 16. Oktober 1951, St.Gallen 1952, S. 48–74.

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Stand: Dezember 2017

Gottesdienste
Die Termine der Gottesdienste in der Kirche Brütten finden Sie auf der Website der reformierten Kirchgemeinde Brütten.