Altenesch

Evangelische Sankt Gallus-Kirche Altenesch (Lemwerder)
Die Kirche von Altenesch wurde 1299 vom Abt des Benediktinerklosters Corvey dem heiligen Gallus geweiht. Sie entstand nach der Schlacht bei Altenesch (1234) an der Stelle eines älteren, zerstörten Gotteshauses. (2019)
Von der 1299 errichteten Galluskirche ist nichts mehr erhalten. Die ältesten Bauteile des heutigen Gotteshauses gehen aber vielleicht noch bis ins 15. Jahrhundert zurück. (2014)
Der Altar von 1660 wurde Ende des 18. Jahrhunderts erneuert. Über ihm steht die 1794 von Georg Wilhelm Wilhelmy (1748–1806) gebaute Orgel, der Stolz der Altenescher Kirche. (2014)
Auf der 1619 von Ludwig Münstermann (um 1570–1637) geschaffenen Kanzel ist neben den vier Evangelisten auch der Kirchenpatron Gallus dargestellt. Gallus war ein charismatischer Redner, der auch in der Volkssprache predigte. (2014)
Der hölzerne Glockenturm der Galluskirche von Altenesch wurde 1720 neu errichtet. Er ersetzte einen ebenfalls aus Holz konstruierten Vorgängerturm. (2014)
Glocke der Sankt Gallus-Kirche in Altenesch
Die einzige Glocke im Turm wurde 1797 bei Johann Philipp Bartels in Bremen gegossen und 2009 revidiert. Ihre Umschrift lautet: Kirchspielleute, kommt zusammen, Um zu Ehren Gottes Namen, Wenn ihr mein Geläute hört, Fälle, die ich muß beklagen, Feuer, Krieg und Plagen werden gnädig abgekehrt. (2014)
Kirche Sankt Gallus Altenesch
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es Pläne für einen Kirchenturm aus Stein, die jedoch nie realisiert wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Turm mit Holz von Minenräumbooten der Lemwerder Werft Abeking & Rasmussen neu eingedeckt. (2019)

Die heutige evangelisch-lutherische Sankt Gallus-Kirche von Altenesch steht über jenem Ort, an dem die Opfer der Schlacht von Altenesch bestattet wurden. Diese Schlacht vom 27. Mai 1234 war das entscheidende Gefecht im »Kreuzzug« des Bremer Erzbischofs Gerhard II. und seiner Verbündeten gegen die Stedinger Bauern. Diese hatten ihrer Obrigkeit schon seit längerem den Gehorsam verweigert und sich damit – nach damaliger Auffassung – ketzerisch gegen die gottgewollte Ständeordnung aufgelehnt. Die Stedinger erlitten bei Altenesch eine vernichtende Niederlage gegen das überlegene Kreuzfahrerheer.

Die geschlagenen Stedinger wurden schon 1234 wieder in die Gemeinschaft der Christenheit aufgenommen und ihre Kirchen und Friedhöfe neu geweiht. Auf dem Schlachtfeld von Altenesch, wo bereits im 12. Jahrhundert eine Kapelle gestanden haben dürfte, entstand ein neues Gotteshaus, das der Abt des Benediktinerklosters Corvey am 12. September 1299 dem heiligen Gallus weihte.

Von dieser Kirche ist heute nichts mehr zu sehen. Der älteste erhaltene Teil des Gotteshauses ist das Schiff, das noch aus vorreformatorischer Zeit stammt. 1566 fand in der Sankt Gallus-Kirche von Altenesch der erste evangelische Gottesdienst statt. Die Reformation war in der Region von Graf Anton I. von Oldenburg und Delmenhorst (1503–1573) vor allem aus finanziellem und machtpolitischem Eigeninteresse gefördert worden. Er zog viele Kirchengüter ein, was zum Untergang von etlichen Gotteshäusern in der Region führte. Sankt Gallus in Altenesch blieb bestehen, und die nach Antons I. Tod erlassene Kirchenordnung brachte endlich eine Konsolidierung der kirchlichen Verhältnisse unter lutherischem Bekenntnis. 1582 wies Graf Antons Erbe die in Lemwerder eingezogenen Kirchengüter der Pfarrei Altenesch zu und beauftragte den dortigen Pastor, künftig auch in Lemwerder zu predigen. Altenesch und Lemwerder wurden zu einem Kirchspiel zusammengefasst.

Seit dem 17. Jahrhundert wurden in regelmäßigen Abständen bauliche Veränderungen an der Altenescher Galluskirche vorgenommen, insbesondere im Innern. 1619 schuf der Bildhauer Ludwig Münstermann (um 1570–1637) eine neue Kanzel, und 1660 wurde ein neuer Altar aufgerichtet. Hundert Jahre später entstand über dem Altar im Chor eine neue Orgelempore, auf der 1794/95 ein Instrument des Stader Orgelbauers Georg Wilhelm Wilhelmy (1748–1806) platziert wurde.

Ab 1998 erhielt die Sankt Gallus-Kirche eine Außen-, 2004 eine Innenrenovierung. 2006 wurde die historische Münstermann-Kanzel restauriert und der fehlende Schalldeckel ergänzt, 2008 fand die aufwändige Restaurierung der Wilhelmy-Orgel einen glücklichen Abschluss. 2009 erfolgte sodann noch die Erneuerung des Kirchturms sowie der 1797 gegossenen Glocke.


Panorama
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Literatur

Erhart, Peter; Kuratli Hüeblin, Jakob; Oberholzer, Paul, 1400xGallus, St.Gallen 2012.

Ev.-luth. Kirchengemeinde A. (Hg.), 700 Jahre St.-Gallus-Kirche in Altenesch (1299-1999). Beiträge zur Heimatkunde. Zusammengestellt von F.-Herbert Wenz, Lemwerder 1998.

Ev.-luth. Kirchengemeinde A. (Hg.), Die Georg-Wilhelm-Wilhelmi-Orgel, St.Gallus Altenesch. Festschrift zur Einweihung nach der Restauration, 20.-21. September 2008, Lemwerder 2008.

Mienert, Peter, Bebilderter Führer durch die St.-Gallus-Kirche Altenesch (Süderbrook), [o. O.] [o. J.].

Plath, Helmut, Die Anfänge der Stadt Hannover, in: Hannoversche Geschichtsblätter NF 15/3/4 (1961), S. 167–216.

Schümann, Hans-N, Die St.-Gallus-Kirche in Altenesch, Wemwerder 2012.

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Stand: Dezember 2017

Gottesdienste
Die Sankt Gallus-Kirche von Altenesch gehört zum evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Wesermarsch. Die aktuellen Gottesdienstzeiten finden Sie auf der Gemeindeseite von Altenesch-Lemwerder.