Triesen

Die Pfarrkirche Sankt Gallus von Triesen wurde 1841–1843 neu errichtet. Sie ersetzte ein um 1458 geweihtes Gotteshaus, das möglicherweise auch schon einen Vorgängerbau hatte. (2018)
Die Triesener Pfarrkirche liegt etwas unterhalb der Kapelle Sankt Mamerten, dem wichtigsten Kulturdenkmal der Gemeinde. (2013)
Die mittelalterliche Sankt Gallus-Kirche stand an der heutigen Runkelsstraße (im Vordergrund). Sie war 1834 in so ruinösem Zustand, dass sie für den Gottesdienst gesperrt und abgebrochen werden musste. An ihrer Stelle entstand ein Bauernhaus. (2017)
An der Stelle, wo die alte Sankt Gallus-Kirche von Triesen stand, erinnert ein Bild an das alte Gotteshaus. Ob die Kirche tatsächlich so ausgesehen hat wie dargestellt, ist unsicher. (2017)
Die Statue des Kirchenpatrons Gallus mit Abtstab und Brot – aber ohne Bär – stammt möglicherweise noch aus der mittelalterlichen, 1834 abgebrochenen Pfarrkirche von Triesen. (2013)
Die neugotische Kreuzigungsgruppe wurde anlässlich der Innenrenovierung von 1942/43 unter dem Chorbogen der Triesener Pfarrkirche angebracht. Im 19. Jahrhundert zierte sie noch den Hochaltar. (2017)
Auch die bemalte Kassettendecke geht auf die Umgestaltung der Kirche von 1942/43 zurück. Sie ist ein Werk von Johannes Hugentobler. Engel bekämpfen die sieben Hauptsünden, symbolisiert durch groteske Fabeltiere: Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Trägheit. (2017)
1991–1994 wurde die Triesener Pfarrkirche Sankt Gallus durch den Anbau von Seitenschiffen verbreitert. Das Kirchenschiff hat seither einen fast quadratischen Grundriss, die Bänke stehen im Halbkreis um den schlichten Volksaltar. (2013)
Die Sankt Gallus-Kirche liegt im Triesener ›Oberdorf‹. Im heutigen ›Unterdorf‹ gab es vor der Regulierung des Rheins im 19./20. Jahrhundert noch kaum Wohnbauten. (2013

Das eindrücklichste Baudenkmal von Triesen im Fürstentum Liechtenstein ist zweifellos die Kapelle Sankt Mamerten. Ihre ältesten Bauteile könnten bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen. Bei der Kapelle fanden Archäologen zudem die Fundamente und Außenmauern einer Dienstmannenburg aus dem 12./13. Jahrhundert, die wohl 1446 im Alten Zürichkrieg zerstört und danach nicht mehr wieder aufgebaut wurde. Die Burg könnte einst den Grafen von Montfort gehört haben und dann den Grafen von Werdenberg-Heiligenberg, einem Seitenzweig der Montforter. Die auf der Burg residierenden Dienstleute waren vielleicht die Ritter von Trisun, aus deren Geschlecht zwei Äbtissinnen und eine Chorfrau im adligen Damenstift Lindau hervorgegangen sind.

Während des Alten Zürichkriegs zerstörten die Eidgenossen wahrscheinlich nicht nur die Burg bei Sankt Mamerten, sondern praktisch das gesamte Dorf. Nach chronikalischer Tradition soll Triesen zwei Tage lang »belagert« worden sein. Inwieweit die Mamertus-Kapelle in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist heute zwar umstritten. Sicher ist, dass wenige Jahre nach Kriegsende etwas unterhalb von Sankt Mamerten die Pfarrkirche von Triesen neu geweiht wurde. Ihr Patron war Sankt Gallus. Vermutlich ging ihr Bau, der in den 1450er-Jahren erfolgte, auf ein älteres, im Zürichkrieg zerstörtes Gotteshaus zurück. Das Galluspatrozinium könnte jedenfalls ins Hoch- oder sogar ins Frühmittelalter zurückweisen und schon von den (Udalrichinger) Grafen von Bregenz, den Vorgängern der Grafen von Montfort, eingesetzt worden sein.

Die heutige Triesener Pfarrkirche Sankt Gallus steht nicht mehr am selben Ort wie das um 1458 geweihte Gotteshaus. Dieses wurde 1834 wegen Baufälligkeit exsekriert und abgebrochen. Schon 1640 heißt es in einem Visitationsprotokoll, die Kirche habe aufgrund ihrer schlechten Fundamente große Risse. 1665 war das Chorgewölbe ganz gespalten, so dass der bischöfliche Visitator einen Einsturz befürchtete. Als die Sankt Gallus-Kirche 1834 endgültig gesperrt und abgebrochen wurde, stand ihr Turm bereits so schief, dass ein von der Spitze herabgelassenes Senkblei neben die Grundmauern fiel. Das Mauerwerk war voller Risse, die teilweise über 10 cm breit waren. Nach dem Abbruch der alten Pfarrkirche wurde ihr Bauplatz samt Friedhof versteigert. Auf dem Grundstück entstand in der Folge ein Wohnhaus mit Stall. Bei archäologischen Untersuchungen kamen 1985 und 1999 Teile der mittelalterlichen Pfarrkirche wieder zum Vorschein. Einige der gefundenen Mauerfragmente könnten noch von einem Vorgängerbau der nach dem Zürichkrieg neu geweihten Sankt Gallus-Kirche stammen. Für eine Erhellung der gesamten Baugeschichte der alten Triesener Pfarrkirche waren die Ausgrabungen bisher allerdings noch zu wenig umfangreich.

Die neue Pfarrkirche von Triesen wurde 1841–1843 einige Dutzend Meter vom alten Standort entfernt errichtet, weil man dort den Baugrund für günstiger erachtete. Die Pläne lieferte der fürstliche Architekt Georg Wingelmüller aus Wien, der allerdings erst zwei Jahre nach Vollendung des Bauwerks zum ersten Mal persönlich in Triesen erschien. Wingelmüller war mit dem Ergebnis gar nicht zufrieden. Sein Projekt war in mehreren Punkten abgeändert worden. Der Architekt, der auf seinen Plänen beispielsweise die Seitenaltäre vergessen hatte, war daran selber nicht ganz unschuldig. In den Jahrzehnten nach der Fertigstellung mussten noch verschiedene Ergänzungs- und Umbauarbeiten vorgenommen werden.

Am 8. September 1846 weihte der Churer Bischof Kaspar de Carl ab Hohenbalken die neue Pfarrkirche von Triesen zu Ehren des heiligen Gallus. 1942/43 gestaltete der Appenzeller Künstler Johannes Hugentobler (1897–1955) den Innenraum anlässlich einer Renovierung grundlegend neu. 1991–1994 wurde die Kirche durch den Anbau von Seitenschiffen erweitert. Der Churer Bischof Wolfgang Haas weihte diesen etwas verunglückten Bau am 9. Oktober 1994.


Panorama
 
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Literatur

Büchel, Johann Baptist, Geschichte der Pfarrei Triesen, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein 2 (1902), S. 3–296.

Erhart, Peter; Kuratli Hüeblin, Jakob; Oberholzer, Paul, 1400xGallus, St.Gallen 2012.

Herrmann, Cornelia, Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Neue Ausgabe II. Das Oberland, Bern 2007 (Die Kunstdenkmäler der Schweiz 112).

Müller, Iso, Die Patrozinien des Fürstentums Liechtenstein, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein 59 (1959), S. 301–327.

Poeschel, Erwin, Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Sonderband, Basel 1950 (Die Kunstdenkmäler der Schweiz 24).

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Stand: Dezember 2017