Steinebrunn

Die alte Sankt Gallus-Kapelle war einst Pfarrkirche von Steinebrunn. (2015)
Das kleine Rundbogenfenster an der Stirnwand des Chores stammt aus dem 13. Jahrhundert. Es wurde anlässlich der Renovierung der Galluskapelle 1964/65 entdeckt und freigelegt. (2015)
Der Bischof von Konstanz gestattete 1740 den Bau eines Benefiziatenhauses. Seit 1743 wohnte hier ein Seelsorger, der sich hauptsächlich um die Gemeinde Steinebrunn kümmerte. (2015)
Ab 1922 errichteten die Steinebrunner am schönsten Flecken ihrer Gemeinde eine neue Pfarrkirche. Sie wurde 1925 den Heiligen Gallus und Otmar geweiht. (2015)
Das Innere der Kirche von Steinebrunn: Die Wand- und Deckenmalereien stammen von J. Bezak aus Gossau. (2018)
Die Schnitzereien erschuf Ferdinand Stuflesser aus Tirol. (2013)
Sankt Gallus mit Buch, Abtstab und Bär am Hochaltar der Steinebrunner Kirche. (2018)
Die Steinebrunner Kirchenpatrone Sankt Gallus… (2013)
…und Sankt Otmar zieren die Ostfassade der Pfarrkirche und schauen auf die Kirchenbesucher herab. (2013)
Seit 1869 verbindet eine Bahnlinie die Ostschweizer Städte Romanshorn und St.Gallen. Steinebrunn erhielt 1910 einen eigenen Bahnhof.

Aus der Zeit vor der Reformation haben wir keine schriftliche Kunde der Sankt Gallus-Kapelle von Steinebrunn. Baugeschichtliche Untersuchungen zeigen aber, dass diese Kapelle bereits im 13. Jahrhundert bestanden haben muss. Ihre Glocke stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Nach der Reformation und dem 2. Kappeler Landfrieden (1531) wurde die Kapelle den Katholiken zugeschlagen. Doch es gab in Steinebrunn gar keine Altgläubigen mehr. Deshalb blieb das Gotteshaus lange Zeit ungenutzt. Erst um die Mitte des 17. Jahrhunderts – nach einer großen Pestepidemie – siedelten sich in Steinebrunn wieder Katholiken an. Seit 1674 wurde wieder das Heilige Messopfer gefeiert und die Kapelle umgebaut (Weitung des Chorbogens, neue Fenster).

1740 gestattete der Konstanzer Fürstbischof Damian Hugo Kardinal von Schönborn die Errichtung eines Benefiziatenhauses in Steinebrunn. Damit wurde gleich neben der Galluskapelle eine Wohnung für einen ständig anwesenden Seelsorger (Benefizat/Kaplan) geschaffen. Ihm war auch das Schulmeisteramt anvertraut. Mit der Einsetzung eines ortsansässigen Seelsorgers ging 1743 eine erneute bauliche Anpassung der Galluskapelle einher. Die katholische Gemeinde wuchs. Im Jahr 1792 konnte sie mehrere qualitätvolle Kultusgegenstände aus der Schlosskapelle Mammertshofen in Roggwil käuflich erwerben, nachdem dieses Schloss an einen reformierten Besitzer übergegangen war.

1795 erhielt Steinebrunn die Bewilligung zur Errichtung eines Taufsteins und 1842 die Erlaubnis, einen eigenen Friedhof anzulegen. Das spirituelle Leben konnte sich damit weitgehend im Dorf abspielen, nur an hohen Feiertagen wie zum Beispiel Ostern, Weihnachten und Fronleichnam mussten die Steinebrunner noch den Gottesdienst in der Mutterpfarrei Arbon besuchen. 1872 erfolgten dann die definitive Loslösung von Arbon und die Erhebung Steinebrunns zur selbständigen Pfarrei.

Bald zeigte es sich, dass die alte Sankt Gallus-Kapelle nicht die Anforderungen an eine Pfarrkirche erfüllte. Deshalb wurde 1895 eine außerordentliche Kirchenbausteuer eingeführt. Die Gemeinde war sich jedoch noch uneinig, ob lediglich die bestehende Kapelle erweitert oder ein Neubau in Angriff genommen werden sollte. Auch über den Bauplatz wurde heftig gestritten. Pfarrer Alois Scheiwiler (Pfarrer von 1903–1918) regte einen Neubau an erhöhter, weithin sichtbarer Lage auf dem Steinebrunner Winzelnberg an. Als die Kirchgemeinde am 22. Januar 1922 endlich mit 61 zu 30 Stimmen den Neubau einer Kirche auf dem Winzelnberg beschloss, war Scheiwiler freilich bereits von seinem Amt zurückgetreten.

Am 8. August 1922 erfolgte der erste Spatenstich, am 1. Oktober die Grundsteinlegung für die neue Pfarrkirche. Als Architekt war der Rorschacher Albert Rimli beauftragt. Am 13. Oktober 1925 konnte der Solothurner (Basler) Bischof Josephus Ambühl das neue Gotteshaus von Steinebrunn weihen. Es erhielt die Heiligen Gallus und Otmar als Patrone.


Panorama Pfarrkirche
 
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Literatur

Catalogus personarum ecclesiasticarum et locorum dioecesis Constantiensis, Konstanz 1755.

Catalogus personarum ecclesiasticarum et locorum dioecesis Constantiensis, Konstanz 1769.

Erhart, Peter; Kuratli Hüeblin, Jakob; Oberholzer, Paul, 1400xGallus, St.Gallen 2012.

Euw, Aloys von, Wenn Gallus und Otmar das Abenteuer wagen, Schwyz 2010.

Gaudy, Adolf, Die kirchlichen Baudenkmäler der Schweiz. St.Gallen, Appenzell, Thurgau, Berlin 1923.

Koch, Walter, Die 68 Höfe, Weiler und Dörfer der Gemeinde Egnach. Eine Siedlungsgeschichte, Egnach 1996.

Kuhn, Konrad, Thurgovia sacra. Geschichte der katholischen kirchlichen Stiftungen des Kantons Thurgau, Frauenfeld 1869-83.

Pupikofer, Johann Adam, Der Kanton Thurgau, historisch, geographisch, statistisch geschildert, St.Gallen/Bern 1837.

Staerkle, Paul, Von den Sankt Gallus-Patrozinien, in: Bischöfliches Ordinariat und Katholischer Administrationsrat St.Gallen (Hg.), Sankt Gallus Gedenkbuch. Zur Erinnerung an die Dreizehnhundert-Jahr-Feier vom Tode des heiligen Gallus am 16. Oktober 1951, St.Gallen 1952, S. 48–74.

Wenk, Paul, 100 Jahre Gallus-Pfarrei Steinebrunn. Festschrift zur Jubiläums-Feier 1872-1972, Egnach 1972.

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Stand: Dezember 2017