St.Gallenkappel

Die Pfarrkirche Sankt Laurentius und Gallus von St.Gallenkappel wurde 1754–1764 errichtet. (2014)
Die Kirche von St.Gallenkappel liegt direkt an der Straße, die vom Toggenburg über den Rickenpass Richtung Zürichsee führt. Schon im Mittelalter war diese Straße eine wichtige Pilger- und Handelsroute. (2018)
Die Pfarrkirche Sankt Laurentius und Gallus hat ihren Ursprung vielleicht in einer Pilgerkapelle, die dank ihrer guten Erreichbarkeit zur Pfarrkirche der umliegenden Weiler und Dörfer erhoben wurde. (2014)
Sankt Laurentius und Gallus gilt als eine der schönsten Rokoko-Kirchen im heutigen Kanton St.Gallen. (2017)
Die Gallusstatue am Hochaltar zeigt den Kirchenpatron mit Brot und Pilgerstab, aber ohne Bär. (2014)
Ein Stichkappengemälde im Langhaus zeigt Sankt Gallus mit Brot, Abtstab, Buch und Holz tragendem Bär. Wie die übrigen Deckengemälde stammt es vom Allgäuer Künstler Josef Ignaz Weiss. (2017)

St.Gallenkappel liegt am alten Pilger- und Handelsweg über den Rickenpass, der das Toggenburg mit dem Zürichsee verbindet. Der Ortsname leitet sich offensichtlich von einer Sankt Gallus-Kapelle ab, die zunächst vielleicht als Wegkapelle errichtet worden war und sich später zur Pfarrkirche der umliegenden Weiler und Höfe entwickelte. Bis heute ist Sankt Gallus – neben Sankt Laurentius – Patron der Pfarrkirche von St.Gallenkappel geblieben.

St.Gallenkappel, das bis im 15. Jahrhundert nur als ›Kappel‹ in den Urkunden erscheint, gehörte im Frühmittelalter zur Pfarrei Uznach. Damals übte das Kloster St.Gallen großen Einfluss in der Gegend aus. Ob auch das Patrozinium von St.Gallenkappel bis in diese Zeit zurückreicht, ist allerdings ungewiss. Über die Entstehungszeit von Kapelle und Pfarrei St.Gallenkappel wissen wir nichts Bestimmtes. Die ältesten baugeschichtlichen Fragmente, die Archäologen bei Sondierungsgrabungen bisher gefunden haben, stammen wohl aus dem 13. Jahrhundert. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wird der Neubau eines spätgotischen Gotteshauses angesetzt: Am 20. Juli 1456 weihte der Konstanzer Weihbischof Johannes von Blatten die Pfarrkirche in capella zu Ehren der Heiligen Laurentius und Gallus. Schon 1440 ist in den schriftlichen Quellen von der Kappeller kilchhöry die Rede; spätestens damals dürfte St.Gallenkappel also eine Pfarrei gewesen sein. Vielleicht steht der spätgotische Neubau im Zusammenhang mit der Erhebung zur Pfarrkirche.

Im Jahr 1687 kauften sich die Bewohner von Walde von der alten Pfarrei Uznach los und schlossen sich der Pfarrei St.Gallenkappel an. Ihr Kirchweg verkürzte sich dadurch von etwa acht auf fünf Kilometer. Diese Erweiterung des Pfarreigebiets sowie das stetige Bevölkerungswachstum führten dazu, dass die alte Pfarrkirche von St.Gallenkappel nicht mehr zu genügen vermochte. 1736/37 entschied man sich, die Platznot zu beheben, und zwar entweder durch eine Vergrößerung und Renovierung der bestehenden Kirche oder aber durch einen Neubau. Die Bauarbeiten konnten wegen Unstimmigkeiten in der Pfarrgemeinde erst 1754 in Angriff genommen werden.

Die Pfarrkirche von St.Gallenkappel entstand in den Jahren zwischen 1754 und 1764 von Grund auf neu. Als Baumeister konnten die Behörden Jakob Grubenmann (1694–1758) aus Teufen gewinnen, einen der führenden Ostschweizer Kirchenbauer der damaligen Zeit. Zusammen mit Josef Ignaz Weiss (1722–nach 1792) aus Altusried bei Kempten (Gemäldezyklus), einem unbekannten, aber jedenfalls großartigen Stuckateur sowie weiteren Künstlern und Handwerkern schuf Grubenmann einen Bau, den die Kunsthistoriker heute zu den schönsten zählen, die damals in der Region entstanden. Am 18. Juni 1769 weihte der Konstanzer Bischof Johannes Nepomuk von Hornstein die neue Pfarrkirche von St.Gallenkappel zu Ehren der Heiligen Laurentius, Gallus sowie der Jungfrau Maria.


Panorama
 
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Literatur

Catalogus personarum ecclesiasticarum et locorum dioecesis Constantiensis, Konstanz 1755.

Catalogus personarum ecclesiasticarum et locorum dioecesis Constantiensis, Konstanz 1769.

Anderes, Bernhard, Die Kunstdenkmäler des Kantons St.Gallen. Band IV. Der Seebezirk, Basel 1966 (Die Kunstdenkmäler der Schweiz 53).

Anderes, Bernhard; Hauser, Albert; Lehmann, Norbert (Hg.), allerHeiligen. Namens- und Kirchenpatrone, Schutzheilige, Nothelfer, Pfäffikon 1998.

Beck, Marcel, Die Patrozinien der ältesten Landeskirchen im Archidiakonat Zürichgau, Zürich 1935.

Bischof, Roman; Lüchinger, Pirmin; Schöbi, Peter; Stadler, Alois, St.Gallenkappel, Uznach 1991.

Erhart, Peter; Kuratli Hüeblin, Jakob; Oberholzer, Paul, 1400xGallus, St.Gallen 2012.

Gaudy, Adolf, Die kirchlichen Baudenkmäler der Schweiz. St.Gallen, Appenzell, Thurgau, Berlin 1923.

Haid, Wendelin, Liber decimationis cleri Constanciensis pro Papa de anno 1275, in: Freiburger Diözesanarchiv 1 (1865), S. 1–303.

Kern, Peter, Kirchenfest und Kirchenbrauch, in: Fürstabtei St.Gallen – Untergang und Erbe 1805/2005. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen, 10. September 2005 – 9. Juli 2006, St.Gallen 2005, S. 217–224.

Küng, Anton, Aus der Geschichte von St.Gallenkappel, Uznach 1951.

Schubiger, Benno, Die Kirche von St.Gallenkappel – ein Juwel des Rokoko, in: St.Galler Linthgebiet. Jahrbuch 1978 (1978), S. 28–32.

Schubiger, Benno, St.Gallenkappel SG. Pfarrkirche St. Laurentius und St.Gallus, Basel 1980 (Schweizerische Kunstführer 267).

Staerkle, Paul, Von den Sankt Gallus-Patrozinien, in: Bischöfliches Ordinariat und Katholischer Administrationsrat St.Gallen (Hg.), Sankt Gallus Gedenkbuch. Zur Erinnerung an die Dreizehnhundert-Jahr-Feier vom Tode des heiligen Gallus am 16. Oktober 1951, St.Gallen 1952, S. 48–74.

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Stand: Dezember 2017