Rehetobel

Die Sankt Gallus-Kirche von Rehetobel in Appenzell Ausserrhoden wurde 1976–1977 neu errichtet. Im zeltförmigen Baukörper, der an die hügelige Appenzeller Landschaft erinnern soll, gibt es neben dem Kirchenraum auch Platz für Gemeindeaktivitäten sowie eine Wohnung. (2013)
Rehetobel ist seit 1525 grundsätzlich ein reformierter Ort. Deshalb ist die evangelische Kirche (im Hintergrund) nicht nur grösser und repräsentativer als die katholische, sondern steht auch im Dorfkern. (2016)
Die Sankt Gallus-Kirche liegt etwas abseits des Dorfzentrums Rehetobel an der St.Gallerstraße. (2013)
Im Eingangsbereich der katholischen Kirche von Rehetobel steht eine Holzfigur des Kirchenpatrons, des heiligen Gallus. (2014)
Das Gotteshaus wurde von Herbert Walser entworfen, sein Bruder Paul Walser übernahm die Ausführung und Bauleitung. (2013)
Am 21. August 1977 weihte der St.Galler Bischof Otmar Mäder die Sankt Gallus-Kirche von Rehetobel. Lange hatte die katholische Bevölkerung auf diesen Moment gewartet. (2013)

Die Gemeinde Rehetobel gehörte seit 1464 zur Kirchhöri (Kirchgemeinde) Trogen. Diese beschloss 1525 den Übertritt zur Reformation. Wer am alten Glauben festhalten wollte, musste Rehetobel verlassen. Als im 19. Jahrhundert die katholische Konfession wieder zugelassen wurde, war zunächst die Seelsorgestation Speicher-Trogen für Rehetobel zuständig, dann, ab 1902, die neu gegründete katholische Pfarrei Heiden.

Nach 1900 blühte in Rehetobel für einige Zeit das Stickereigewerbe. Die Bevölkerungszahl nahm stark zu, und es entstanden zahlreiche neue Gebäude. Die nachfolgende Krise traf das Dorf hart, viele Liegenschaften standen leer. So konnte die katholische Kirchgenossenschaft Heiden 1945 ein Haus in Rehetobel erwerben, in dem einst ein Sticklokal untergebracht gewesen war. Dieses Sticklokal wurde in eine Kapelle umfunktioniert, in der seit Juli 1946 Gottesdienste der katholischen Diasporagemeinde Rehetobel stattfinden konnten.

Die Katholiken von Rehetobel gründeten 1955 einen Kapellverein und ein Jahr später eine Kirchenbaustiftung mit dem Ziel, eine ›richtige‹ Kapelle zu errichten. Das Projekt machte allerdings nur langsame Fortschritte. In den 1960er Jahren wurde vornehmlich Geld gesammelt und versucht, die kirchlichen Oberbehörden von der Notwendigkeit eines Neubaus zu überzeugen. 1966 erhielt der für Rehetobel zuständige Seelsorger vom St.Galler Bischof Josephus Hasler die Erlaubnis, einen Bettelbrief für Spenden für die neu zu errichtende Kirche Rehetobel aufzusetzen. Die inländische Mission überwies zwar einen größeren Betrag, doch ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung von auswärts war nicht an einen Baubeginn zu denken. Katholisch Rehetobel war arm. Zu Beginn der 1970er Jahre lebten in der Gemeinde rund 250 Katholiken, darunter etwa 70 Italiener sowie ein Duzend Spanier, die vorwiegend als Gastarbeiter in den letzten noch im Dorf verbliebenen Textilbetrieben tätig waren.

Am 9. und 10. Oktober 1971 brachte ein für den Kirchenbau organisierter Bazar rund 16‘000.- Franken Erlös, was insbesondere auch dem Engagement der evangelischen Bevölkerung von Rehetobel zu verdanken war. Jetzt konnte die konkrete Bauplanung an die Hand genommen werden. 1973 äußerte sich das bischöfliche Ordinariat St.Gallen positiv zum eingereichten Bauentwurf der Architekten Herbert und Paul Walser und stellte der Gemeinde weitere finanzielle Mittel in Aussicht. 1974 konnte im Ortsteil Sonder ein passender Bauplatz reserviert werden, und im Januar 1976 erfolgte die Baubewilligung durch den Gemeinderat Rehetobel. Am 16. Mai 1976 stimmten die Rehetobler Katholiken mit großer Mehrheit dem Bauprojekt zu. Dieses sah neben dem eigentlichen Kirchenraum auch die Schaffung von separaten Räumlichkeiten für Gemeinde- und Vereinsaktivitäten sowie eine Wohnung für Pfarraushilfen vor. Am 23. Juni 1976 erfolgte der erste Spatenstich.

Im April 1977 wurden zwei Glocken für die neue Kirche angeliefert. Sie stammten aus der 1972 abgerissenen Schutzengelkapelle von Gossau. Bereits 1971, kurz nach dem Abbruchentscheid, hatte der damalige Seelsorger von Rehetobel, ein Gossauer, um die Abtretung dieser Glocken gebeten. Der Kirchenverwaltungsrat von Gossau entsprach der Bitte. Bevor die Glocken in Rehetobel zum Einsatz kommen konnten, mussten sie noch auf das Geläut der reformierten Kirche abgestimmt werden. Als die beiden Glocken am 29. April 1977 feierlich aufgezogen wurden, wurden sie von ihren evangelischen Schwestern mit einem viertelstündigen Geläut begrüßt.

Am 21. August 1977 weihte der St.Galler Bischof Otmar Mäder die neue Kirche von Rehetobel zur Ehre des heiligen Gallus.


Panorama
 
Dieser Inhalt benötigt HTML5/CSS3, WebGL, oder Adobe Flash Player Version 9 oder höher.
Literatur

Freudentag für Rehetobler Katholiken, in: Die Ostschweiz (18.08.1977).

Die katholische Kirche Rehetobel wird geweiht. Morgen Sonntag wird sie unser Bischof, Dr. Otmar Mäder, Einsegnen, in: Appenzeller Volksfreund (20.08.1977).

Ein Freudentag für Rehetobel, in: St.Galler Tagblatt (21.08.1977).

Anderes, Bernhard; Hauser, Albert; Lehmann, Norbert (Hg.), allerHeiligen. Namens- und Kirchenpatrone, Schutzheilige, Nothelfer, Pfäffikon 1998.

Bischöfliche Kanzlei des Bistums St.Gallen, Personalverzeichnis der Diözese St.Gallen 2012, St.Gallen.

Euw, Aloys von, Wenn Gallus und Otmar das Abenteuer wagen, Schwyz 2010.

Kennen Sie noch weitere Literatur zu dieser Kirche? Helfen Sie mit, indem Sie uns diese mitteilen. Vielen Dank!

Stand: Dezember 2017