Präg

In Präg existierte einst eine Sankt Gallus-Kapelle, die jedoch im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde. Die heutige, 1950/51 errichtete Kapelle ist der Muttergottes geweiht. (2014)
In der heutigen Muttergotteskapelle erinnert nichts mehr an den einstigen Kapellpatron von Präg, den heiligen Gallus. Die Schnitzfiguren der Seitenaltäre stellen Maria und Josef dar. Das Hochaltarkreuz schnitzte der Utzenfelder Landwirt Andreas Lais. (2014)
In der Kirche Sankt Wendelin von Geschwend (Bild), das seit Beginn des 20. Jahrhunderts zusammen mit Präg eine Kirchgemeinde bildet, wird Sankt Gallus noch als Nebenpatron verehrt. (2014)
Die Pläne für die Präger Muttergottes-Kapelle, die ganz aus Holz gebaut wurde, lieferte der Freiburger Architekt Adolf Lorenz (1883–1970). (2014)

In Präg im Hochschwarzwald stand einst eine Sankt Gallus-Kapelle. Sie wird in einem Dokument aus dem Jahr 1670 erstmals schriftlich erwähnt. Damals gehörte Präg zur Pfarrei Schönau, die dem Kloster St. Blasien inkorporiert war. Dieses Benediktinerkloster ist wohl auch als Vermittler des Präger Galluspatroziniums anzusehen. Genaues ist über die Stiftung und den Bau der Kapelle allerdings nicht bekannt.

Laut einem Bericht aus dem Jahr 1808 wurden damals in Präg keine Gottesdienste abgehalten. Die Glocke der Kapelle wurde jedoch noch zu den Gebetszeiten geläutet, ebenso um die Bevölkerung bei Gefahr – etwa bei Feuersbrünsten – zusammenzurufen. 1825 sollen in Präg dann wieder vereinzelt Gottesdienste stattgefunden haben, allerdings war die Kapelle damals schon sehr baufällig. 1833 musste sie abgebrochen werden. Glocke, Altar und Kunstwerke wurden aufbewahrt, um sie in einer neuen Kapelle wieder verwenden zu können. Während die Gallusstatue aus der einstigen Sankt Gallus-Kapelle offenbar bis heute im Präger Rathaus aufbewahrt wird, wurde der Altar aufgebrochen und die Reliquien geraubt.

1834 wurde in Präg ein neues Schulhaus errichtet. Die Gemeinde beschloss, unter dem gleichen Dach auch eine Kapelle unterzubringen. Der Patron dieses Gebetsraums, der beim Präger Schulhausbrand von 1841 beschädigt wurde, ist nicht bekannt. Die Kapelle existierte bis in die 1860er-Jahre. Danach wurde sie profaniert und diente als Lehrerwohnung bzw. als Spritzenhaus. Die Gemeinde plante zwar einen Kapellneubau, doch konnte dieser nicht realisiert werden. Erst 1951 startete der Bau einer neuen Kapelle, deren Weihe am 28. September 1952 erfolgte. Architekt Adolf Lorenz (1883–1970) aus Freiburg im Breisgau schuf einen schlichten Holzbau, der die Muttergottes als Patronin erhielt.

Sankt Gallus, der ursprüngliche Dorfpatron, ist in der neuen Präger Kapelle nicht mehr präsent. Das will aber nicht heißen, dass ihn die Bevölkerung vergessen hat! Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand im Nachbarort Geschwend ein neues, geräumiges Gotteshaus für die 1901 neu errichtete Kirchgemeinde Geschwend-Präg. Diese Kirche erhielt als Hauptpatron den heiligen Wendelin, den traditionellen Dorfheiligen von Geschwend. Aber auch die Präger haben ihren Dorfheiligen nach Geschwend mitgebracht. Sankt Gallus wird in der gemeinsamen Kirche als Nebenpatron verehrt.


Panorama
 
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Literatur

Helm, Johannes, Die existierenden, verschwundenen und aufgegebenen Kirchen und Kapellen im Markgräflerland und in den angrenzenden Gebieten des ehemals vorderösterreichischen Breisgaues sowie des hochstiftlichen Amtes Schliengen. Versuch einer bau- und kunstgeschichtlichen Bestandsaufnahme, Müllheim/Baden 1989.

Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hg.), Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschriebung nach Kreisen und Gemeinden, Band VI. Regierungsbezirk Freiburg, Stuttgart 1982.

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Stand: Dezember 2017