Portein

Die Sankt Gallus-Kirche von Portein war die erste Pfarrkirche am Heinzenberg und thronte von weither sichtbar über dem Porteiner Tobel. (2015)
Ihre exponierte Lage wurde der Kirche zum Verhängnis. Um 1720 führten Rutschungen im Porteiner Tobel zu ihrem Absturz. (2015)
Nochmals der Blick über das Porteiner Tobel Richtung Sankt Gallus-Kirche, diesmal im Sommer. Im Hintergrund das Dorf Flerden, das bis 1670 kirchlich zu Portein gehörte. (2012)
Dass diese kümmerlichen Mauerreste einst eine schöne spätgotische Kirche waren, ist heute nur noch für Experten erkenntlich. (2015)
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die spitzbogigen Fenster der Porteiner Sankt Gallus-Kirche noch deutlich zu erkennen. (Abbildung aus: Adolf Gaudy, Die Kirchlichen Baudenkmäler der Schweiz, Graubünden, Berlin/Zürich 1921, Abb. 166, S. 158)
Blick vom ehemaligen Kirchhügel zur neuen evangelischen Kirche von Portein. Sie wurde um 1720 errichtet, in der Zeit, als die alte Sankt Gallus-Kirche ins Porteiner Tobel rutschte. (2012)
Neben der wunderbaren Aussicht auf das Domleschg mit seinen zahlreichen Burgen und Schlössern ist die Ruine der alten Sankt Gallus-Kirche die Hauptattraktion des kleinen Bauerndorfs Portein. (2012)
Vom Tal her führt die Straße nach Portein durch das Porteiner Tobel. In dieses stürzte um 1720 die Sankt Gallus-Kirche, und noch heute herrscht hier die Gefahr von Steinschlag. (2012)
Im Wappen von Portein ist die Erinnerung an Sankt Gallus wachgeblieben. Sein Bär trägt, der Tüchtigkeit der ansässigen Bergbauern entsprechend, ein zünftiges Stück Holz. (Bildquelle: Wikipedia)
Das Ortswappen ist in Holz auch an einem Gebäude in Portein zu finden. (2012)

Das Bauerndorf Portein im Bündner Bezirk Hinterrhein liegt knapp 1200 Meter über Meer. Im Jahr 2001 war Portein mit nur 22 Einwohnern die kleinste politische Gemeinde der Schweiz; 2010 schloss sie sich der Gemeinde Cazis an.

Portein, das sich Ende des 13. Jahrhunderts in einem Verzeichnis des Bistums Chur erstmals eindeutig nachweisen lässt, war schon immer ein kleiner, aber besonderer Ort. Denn seine Bewohner waren frei und übten die niedere Gerichtsbarkeit selber aus. Die Sankt Gallus-Kirche von Portein tritt 1505 erstmals schriftlich in Erscheinung, und zwar als Pfarrkirche des gesamten Heizenbergs außer Masein. Vor der Erhebung zur Pfarrei gehörte Portein kirchlich zu Sankt Johannes Baptista auf Hohenrätien, besaß aber offenbar schon im 15. Jahrhundert eine Messstiftung sowie das Begräbnisrecht. Zu Beginn der 16. Jahrhunderts wurde das Gotteshaus von Grund auf neu errichtet. Baumeister war wohl der in Thusis wohnhafte Andreas Bühler aus Gmünd in Kärnten, dem wir noch zahlreiche weitere Kirchen in Graubünden verdanken. Das Schiff war etwas über zwanzig Meter lang und von hoher baulicher Qualität.

Die Pfarrkirche Sankt Gallus in Portein, in der es auch einen Sankt Anna und Barbara-Altar gab, hatte im Jahr 1520 neben dem Pfarrer auch einen eigenen Kaplan. Patronatsherrin war die Äbtissin von Cazis. Über dieses Kanonissenstift, das schon im Frühmittelalter mit dem Kloster St.Gallen eine Gebetsverbrüderung eingegangen war, könnte das Galluspatrozinium nach Portein gefunden haben.

Der Unterhalt des Porteiner Gotteshauses war kostspielig, und nachdem auch andere Dörfer am Heinzenberg eine eigene Pfarrkirche erhalten hatten, verteilte sich der Aufwand auf immer weniger Gemeindemitglieder. Vom Kloster Cazis war keine Hilfe mehr zu erwarten; die Reformation hatte dessen Untergang herbeigeführt. Portein selber war zwischen 1530 und 1540 zur neuen Lehre übergetreten. Die Sankt Gallus-Kirche wurde vernachlässigt und war schon im 17. Jahrhundert stark baufällig. Um 1720 führten verheerende Rutschungen im Porteiner Tobel zum Ein- und Absturz eines großen Teils der Kirche. Der Turm donnerte um 1850 ins Tal. Während auf alten Fotos noch die Spitzbögen der gotischen Fenster zu sehen sind, sind heute von der einstigen Porteiner Sankt Gallus-Kirche nur noch wenige Mauerreste übrig.

Etwa zur gleichen Zeit, als die alte Kirche ins Tal stürzte, bauten die Porteiner ein neues Gotteshaus im Dorf. Ihr Baumaterial stammt wohl teilweise noch von der Sankt Gallus-Kirche; man versuchte zu retten, was noch zu retten war. Der Kirchturm wurde erst später angebaut, vielleicht um 1745. Die neue Kirche von Portein war einfach, fast ärmlich. Und doch ist sie ein eindrückliches Zeugnis für das Bedürfnis der Bergbevölkerung, eine eigene Kirche im Dorf zu haben.


Literatur

Erhart, Peter; Kuratli Hüeblin, Jakob; Oberholzer, Paul, 1400xGallus, St.Gallen 2012.

Gaudy, Adolf, Die kirchlichen Baudenkmäler der Schweiz. Graubünden, Berlin/Zürich 1921.

Poeschel, Erwin, Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band III. Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin, Basel 1940 (Die Kunstdenkmäler der Schweiz 11).

Staerkle, Paul, Von den Sankt Gallus-Patrozinien, in: Bischöfliches Ordinariat und Katholischer Administrationsrat St.Gallen (Hg.), Sankt Gallus Gedenkbuch. Zur Erinnerung an die Dreizehnhundert-Jahr-Feier vom Tode des heiligen Gallus am 16. Oktober 1951, St.Gallen 1952, S. 48–74.

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Stand: Dezember 2017