Ouidah


Das Land Benin in Westafrika ist nicht nur die Wiege des Voodoo-Kults, auch Sankt Gallus ist hier zu Hause. In der Hafenstadt Ouidah trägt ein Priesterseminar seinen Namen. Im Jahr 1926 übernahm das Bistum St.Gallen die Patenschaft für dieses Seminar, aus dem seither hunderte von Priestern hervorgegangen sind. Der Ruf des »Grand Seminaire Saint Gall de Ouidah« strahlt weit über die Grenzen von Benin hinaus. Auch Kandidaten aus Togo, Nigeria, der Elfenbeinküste, der Zentralafrikanischen Republik und dem Kongo haben hier studiert. So trägt das Engagement des Bistums St.Gallen in der gesamten Region am Golf von Guinea Früchte.

Besonders stolz ist das Seminaire Saint Gall auf Kardinal Bernardin Gantin (1922-2008), der 1936 sein Studium im Priesterseminar von Ouidah begann. 1960 wurde Gantin zum Erzbischof von Cotonou ernannt und war der erste dunkelhäutige Erzbischof in Afrika überhaupt. Elf Jahre später erhielt Gantin eine Berufung nach Rom. Wiederum war er der erste Afrikaner, der wichtige Aufgaben in der römischen Kurie wahrnahm. Und 1977 schließlich wurde Bernardin Gantin als erster Farbiger zum Kardinal erhoben – gemeinsam mit Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI. Ratzinger und Gantin, der selber ebenfalls als papabile (›papstfähig‹) gehandelt wurde, verband stets eine tiefe Freundschaft.

Nach seinem Tod im Jahr 2008 wurde Kardinal Bernardin Gantin in der Kapelle des Sankt Gallus-Seminars in Ouidah bestattet. Auf seiner apostolischen Reise nach Benin im Jahr 2011 besuchte Papst Benedikt XVI. das Grab des langjährigen Weggefährten. In seiner Ansprache, die er im Innenhof des Seminars hielt, empfahl er den anwesenden Priestern, Seminaristen und Laiengläubigen den heiligen Gallus als Vorbild und würdigte ihn als »ein Mann strahlender Tugenden, ein nach Vollkommenheit strebender Mönch und ein Hirte voller Milde und Demut«.


Literatur

Erhart, Peter; Kuratli Hüeblin, Jakob; Oberholzer, Paul, 1400xGallus, St.Gallen 2012.

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Stand: Dezember 2017