Neu St. Johann

Das ehemalige Benediktinerpriorat Neu St. Johann liegt im Obertoggenburg, unweit der Endstation der Eisenbahnlinie Wil-Wattwil-Nesslau und der Straßenkreuzung Richtung Schwägalp und Appenzellerland. (2017)
In der 1626–1629 vom Kloster St.Gallen errichteten Prioratsanlage gibt es auch eine einfache, kleine Sankt-Gallus-Kapelle. (2017)
Die Sankt Gallus-Kapelle liegt im Obergeschoss des Kreuzgangs und verbindet die Prioratsbibliothek mit der ehemaligen Äbtewohnung. Eine weitere Tür führt auf die Empore der Priorats- bzw. Pfarrkirche von Neu St. Johann. (2017)
Das Altarbild der Galluskapelle in Neu St. Johann zeigt die Ankunft des heiligen Gallus im Tal der Steinach. Der Altar wurde 1670 zu Ehren der Heiligen Landespatrone Gallus, Otmar und Notker geweiht. (2017)
Im eindrücklichen Bibliotheksgang von Neu St. Johann werden bis heute die Reliquienschätze des ehemaligen Priorats aufbewahrt. Die katholische Pfarrei Neu St. Johann kümmert sich gewissenhaft um das reiche Erbe, das ihr anvertraut ist. (2017)
Bibliotheksgang und Sankt Gallus-Kapelle befinden sich im oberen Geschoss des der Kirche angebauten Verbindungstraktes. (2018)
Die 1680 geweihte Kirche von Neu St. Johann ist nicht nur ein bedeutendes Denkmal des Frühbarock in der Ostschweiz, sondern auch ein stolzes Zeugnis der katholischen Gegenreform. Die gewaltigen Ausmaße der Anlage sollten die weitgehend reformierte Bevölkerung der umliegenden Dörfer beeindrucken. (2017)
Am Hauptaltar der ehemaligen Priorats- und heutigen Pfarrkirche von Neu St. Johann ist Sankt Gallus Nebenpatron. (2018)
Der heilige Gallus ist auch Mitpatron des rechten Chorfrontaltars. Das Altarbild zeigt ihn zusammen mit den Heiligen Otmar und Notker. (2018)
Die Kirche sowie der Nord- und Ostflügel des Priorats gingen nach der Auflösung des Klosters St.Gallen an die neu gegründete katholische Kirchgemeinde Neu St. Johann über. (2018)
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts befindet sich im Süd- und Westflügel des ehemaligen Priorats das »Johanneum«, eine soziale Institution, die Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglichen möchte. (2017)
Neu St. Johann ist mit dem Nachbardorf Nesslau zusammengewachsen. Die Idylle lässt kaum erahnen, dass im Toggenburg einst erbitterte konfessionelle Gegensätze das Zusammenleben der Bevölkerung störten. (2018)

Im Jahr 1555 wurde das im obersten Toggenburg gelegene Benediktinerkloster St. Johann der Abtei St.Gallen inkorporiert. Das gegen Mitte des 12. Jahrhunderts gegründete Kloster hatte schwer unter den Auswirkungen der Reformation gelitten. Die Gegend um St. Johann war mehrheitlich zur neuen Lehre übergetreten. Die Eingliederung ins Kloster St.Gallen sollte die Überlebensfähigkeit der Mönchsgemeinschaft sicherstellen. Als St.Galler Priorat und Statthalterei wurde St. Johann zu einem Zentrum der Verwaltung sowie der katholischen Gegenreform im Toggenburg.

Am 8. Februar 1626 wurde St. Johann von einer schweren Brandkatastrophe heimgesucht. Der St.Galler Konvent beschloss, Gebäude und Kirche etwa zehn Kilometer talabwärts neu aufzubauen. Abt Bernhard Müller (1594–1630) ließ dafür ein geeignetes Gelände in Sidwald bei Nesslau aufkaufen. 1629 war der Bau und ein Jahr später mehrheitlich auch die Innenausstattung des neuen Prioratsgebäudes vollendet, die Kirche allerdings erst 1680. An der Stelle des abgebrannten alten Priorats wurden eine Pfarrkirche und ein stattliches Pfarrhaus errichtet und der Pfarrort fortan Alt St. Johann genannt. Sidwald, der Standort des neuen Priorats, nahm allmählich den Ortsnamen Neu St. Johann an. Im Priorat Neu St. Johann residierten in der Regel 12 Benediktinermönche aus dem Kloster St.Gallen. Sie unterhielten unter anderem eine Klosterschule, die in der katholischen Schweiz einen guten Ruf genoss.

Die Kirche von Neu St. Johann gehört zu den bedeutendsten Bauwerken des 17. Jahrhunderts in der Schweiz. Sie wurde – auf die Tradition zurückgreifend – den Heiligen Johannes Baptist und Evangelist geweiht. Natürlich wurden in Neu St. Johann auch die St.Galler Hausheiligen hoch verehrt. Sankt Gallus zum Beispiel ist Nebenpatron am Hochaltar sowie am Chorfrontaltar der Prioratskirche. Zusätzlich ist dem heiligen Gallus im Priorat Neu St. Johann eine kleine Kapelle geweiht. Diese schließt westlich an den an die Kirche angebauten Bibliotheksgang an und verbindet ihn mit der ehemaligen Prälatenwohnung, jenen Räumlichkeiten also, in denen die St.Galler Äbte während ihren Besuchen in Neu St. Johann residierten. Der Altar der Galluskapelle wurde am 6. September 1670 von Fürstabt Gallus Alt geweiht, nachdem der Bibliotheksgang – ein interessantes architektonisches Unikum unter den Klosterbibliotheken – unter der Leitung des Misoxer Baumeisters Pietro Andreoto bereits 1630 vollendet worden war.


Panorama
 
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Literatur

Anderes, Bernhard, Stilstufen des Barocks. Zur Ausstattung in Neu St. Johann, in: Werner Vogler (Hg.), Das Kloster St. Johann im Thurtal. Eine Ausstellung des Stiftsarchivs St.Gallen im Nordflügel des Regierungsgebäudes, St.Gallen, vom 13. April bis 5. Mai 1985. Katalog, St.Gallen 1985.

Anderes, Bernhard, Kloster Neu St. Johann SG, Bern 1988 (Schweizerische Kunstführer 441/442).

Anderes, Bernhard, Neu St. Johann. Das Aschenbrödel im Toggenburg, in: Toggenburger Annalen 16 (1989), S. 8–18.

Brändle, Walter, Geschichte des Klosters Neu St. Johann. Führer durch das Kloster neu St. Johann, Neu St. Johann 2017.

Eugster, Erwin, Die Anfänge des Klosters St. Johann im Thurtal, in: Werner Vogler (Hg.), Das Kloster St. Johann im Thurtal. Eine Ausstellung des Stiftsarchivs St.Gallen im Nordflügel des Regierungsgebäudes, St.Gallen, vom 13. April bus 5. Mai 1985. Katalog, St.Gallen 1985.

Hardegger, August, St. Johann im Turtal, in: Neujahrsblatt des historischen Vereins des Kantons St.Gallen 36 (1896), S. 1–27.

Huber, Johannes, Die Pfarrei Neu St. Johann im Toggenburg. Geschichte, Kultur und kirchliche Gemeinschaft, Neu St. Johann/St.Gallen 2007.

Huber, Johannes, Entlang der Fürstenland-Strasse. Die Kulturlandschaft der Abtei St.Gallen, St.Gallen 2008.

Kobler, Arthur, Die Mönche in Neu St. Johann, in: Werner Vogler (Hg.), Das Kloster St. Johann im Thurtal. Eine Ausstellung des Stiftsarchivs St.Gallen im Nordflügel des Regierungsgebäudes, St.Gallen, vom 13. April bus 5. Mai 1985. Katalog, St.Gallen 1985, S. 114–125.

Rothenflue, Franz, Toggenburger Chronik. Urkundliche Geschichte sämmtlicher katholischer & evangelischer Kirchgemeinden der Landschaft Toggenburg, aus archiv. Quellen gesammelt u. zusammengestellt von Al. Rüdliger und H.G. Sulzberger, Bütschwil 1887.

Vogler, Werner (Hg.), Das Kloster St. Johann im Thurtal. Eine Ausstellung des Stiftsarchivs St.Gallen im Nordflügel des Regierungsgebäudes, St.Gallen, vom 13. April bus 5. Mai 1985, Katalog, St.Gallen 1985.

Vogler, Werner, Kurzer Überblick über die Geschichte des Klosters St. Johann im Thurtal – Zeittafel – Liste der Äbte und Prioren/Statthalter, in: ders. (Hg.), Das Kloster St. Johann im Thurtal. Eine Ausstellung des Stiftsarchivs St.Gallen im Nordflügel des Regierungsgebäudes, St.Gallen, vom 13. April bus 5. Mai 1985. Katalog, St.Gallen 1985, S. 13–24.

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Stand: Dezember 2017