Langenthal

Die Kirche von Langenthal wird 1197 erstmals erwähnt. Ob die Kirche damals tatsächlich Sankt Gallus als (Mit-)Patron hatte, wie einige Forscher vermuten, ist fraglich. (2015)
Die Langenthaler Kirche thront auf dem ›Geissberg‹, an leicht erhöhter Lage über der Stadt. (2015)
Die reformierte Gemeindepredigt stand bei der Kirchenerweiterung von 1676/77 im Zentrum der Anforderungen. Es entstand eine nüchterne barocke Hallenkirche. (2015)
Der Kirchturm wurde 1864 neu aufgebaut. (2015)
Die 1954 neu errichtete katholische Kirche von Langenthal hat den Titel Sankt Maria Königin. Maria wird schon im Mittelalter als Patronin der Langenthaler Kirche (Kapelle) erwähnt. (2015)

Langenthal im Oberaargau (Kanton Bern) wird in einer St.Galler Traditionsurkunde aus dem Jahr 861 erstmals schriftlich erwähnt. Damals übertrug Theathard seinen eigenen Besitz in Langenthal zusammen mit jenem seines Bruders Buobo an das Kloster St.Gallen. Aus diesem frühen St.Galler Güterbesitz haben Forscher abgeleitet, dass die älteste Kirche von Langenthal Sankt Gallus (und Sankt Georg) geweiht gewesen sei. Sie sei vielleicht schon im 9. Jahrhundert auf alten römischen Ruinen errichtet worden, wozu das Kloster St.Gallen möglicherweise beigetragen habe. Aber das sind alles Spekulationen. Es lassen sich weder das genaue Alter noch der Patron der ältesten Kirche von Langenthal bestimmen.

Als die Langenthaler Kirche 1197 erstmals schriftlich in Erscheinung tritt, war sie eine Eigenkirche der Freiherren von Langenstein. 1224 ging das Gotteshaus an das Zisterzienserkloster St. Urban über. Am 22. Dezember 1392 fand in Langenthal in Anwesenheit des Konstanzer Weihbischofs Hermann von Klingenberg eine Kirchweihe statt. Dabei weihte er den Altar zu Ehren von Jesus Christus, seiner Mutter Maria, der heiligen Märtyrer Georg und Vincenz, des Bekenners Erhard und der heiligen Jungfrauen Katharina und Margaretha sowie der Heiligen überhaupt. Gallus erscheint nicht explizit unter den Altarheiligen, von denen für die spätmittelalterliche Zeit Maria und Erhard als Hauptpatrone der Kirche angenommen werden.

Bis zur Reformation, der sich die Langenthaler 1528 anschlossen, war Langenthal keine eigene Pfarrei; die Mehrheit der Einwohner war nach Thunstetten kirchgenössig. Die Reformation brachte die Erhebung Langenthals zur selbständigen Kirchgemeinde. Das Kloster St. Urban hatte bis 1808 formell das Patronatsrecht inne. Die Forderung der Langenthaler, ihre alte Kirche zu sanieren und zu erweitern, führte nach 1672 zu einer Auseinandersetzung zwischen Bern und dem Kloster St. Urban. Man war sich uneinig darüber, wer die Baukosten zu tragen habe. Im August 1677 konnte die Kirche dann aber eingeweiht werden. Vom Dorfbrand, der drei Jahre später Langenthal heimsuchte, blieb das leicht erhöht auf dem ›Geissberg‹ gelegene Gotteshaus verschont.

1864 wurde der Turm neu gebaut; 1898 erfolgte eine Renovation, bei der der Taufstein von 1677 so stark beschädigt wurde, dass er ersetzt werden musste. 1870 wurden im Chor farbige Glasfenster eingesetzt, die man 1922 durch die heutigen ersetzte. Letztmals erfuhr die Langenthaler Kirche 1957/58 eine umfassende Erneuerung.


Panorama
 
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Literatur

Blaser, Johann, Geschichtliche Mitteilungen über die Pfarrei und Pfarrkirche zu Langenthal, Langenthal 1898.

Erhart, Peter, Beziehungen der Abtei St.Gallen zum Oberaargau, in: Jahrbuch des Oberaargaus 53 (2010), S. 149–176.

Erhart, Peter; Kuratli Hüeblin, Jakob; Oberholzer, Paul, 1400xGallus, St.Gallen 2012.

Frutiger, Barbara; Binggeli, Valentin; Bösch, Ruedi, Langenthal, Bern 1998 (Schweizerische Kunstführer).

Haeberle, Alfred, Die Mittelalterliche Blütezeit des Cisterzienserklosters St. Urban. 1250-1375, Luzern 1946.

Haid, Wendelin, Liber decimationis cleri Constanciensis pro Papa de anno 1275, in: Freiburger Diözesanarchiv 1 (1865), S. 1–303.

Meyer, Jakob Reinhard, Zwei Urkunden zur Geschichte Langenthals, Langenthal 1959.

Meyer, Jakob Reinhard, Kleine Geschichte Langenthals. Beitrag zu einer Geschichte Langenthals bis 1798. Ein Versuch in drei Heften, Dazu chronikalische Notizen für die Zeit 1798-1960, Langenthal 1961.

Moser, Andreas, Die Patrozinien der oberaargauischen Kirchen, in: Jahrbuch des Oberaargaus 2 (1959), S. 22–28.

Staerkle, Paul, Von den Sankt Gallus-Patrozinien, in: Bischöfliches Ordinariat und Katholischer Administrationsrat St.Gallen (Hg.), Sankt Gallus Gedenkbuch. Zur Erinnerung an die Dreizehnhundert-Jahr-Feier vom Tode des heiligen Gallus am 16. Oktober 1951, St.Gallen 1952, S. 48–74.

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Stand: Dezember 2017