Hemberg

Die katholische Pfarrkirche von Hemberg wurde 1781/82 neu errichtet. Ihre Patrone sind Sankt Johannes Baptist und Andreas. Schon die Vorgängerkirche war Johannes dem Täufer geweiht. (2016)
Weil die reformierte Bevölkerungsmehrheit von Hemberg das bestehende Kirchenvermögen für sich beanspruchte, stiftete der St.Galler Fürstabt Bernhard Müller 1618 eine neue katholische Pfarrpfründe zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit, Maria, Gallus und Otmar. (2013)
Den Hochaltar zieren vier Heiligenfiguren. Neben dem Altar sind die Kirchenpatrone Johannes Baptist und Andreas platziert, auf dem Gebälk die St.Galler Landespatrone Gallus und Otmar. (2013)
Sankt Gallus wurde in Hemberg wie überall im Herrschaftsgebiet der Fürstabtei St.Gallen als Landespatron verehrt. Kirchenpatron von Hemberg war er allerdings nie. (2013)
Der barocke Innenraum der Hemberger Kirche wird von vielen qualitätvollen Stuckaturen geziert. Sie stammen wohl von Peter Anton Moosbrugger (1732–1806). (2016)
In der Bevölkerung gilt die heilige Anna als Patronin der Hemberger Kirche. Eigentlich ist Anna jedoch nur Patronin (neben Joseph und Joachim) einer in die Pfarrkirche integrierten Kapelle. (2013)
Um die heilige Anna und ihre Kapelle ranken sich in Hemberg wundersame Geschichten. (2013)
Die Wetterseite der Hemberger Kirche ist ganzflächig mit Holzschindeln verkleidet. (2017)
Rund zweihundert Jahre lang nutzten Protestanten und Katholiken die Hemberger Kirche paritätisch. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bauten beide Konfessionen ein eigenes Gotteshaus. (2017)

In Hemberg im Toggenburg stand nie eine Sankt Gallus-Kirche. Patron der Pfarrkirche ist Johannes der Täufer, heute wird aber besonders die heilige Anna verehrt. Das Johannes-Patrozinium war vielleicht vom Kloster St. Johann im Thurtal eingesetzt worden, nachdem dieses 1383 Hof und Kirchensatz Hemberg vom Kloster St.Gallen übernommen hatte. Vielleicht ist es aber auch schon älter. Die Hemberger Kirche soll nämlich bereits 1214 erbaut worden sein.

Als das Kloster St. Johann im Jahr 1555 dem Kloster St.Gallen inkorporiert wurde, übernahm dieses auch wieder die kirchlichen Rechte in Hemberg. Allerdings bekannte sich seit 1531 der überwiegende Teil der Hemberger Bevölkerung zum evangelischen Glauben. Die Reformierten beanspruchten Kirche, Pfarrhaus und Pfrundvermögen für sich. 1570 setzte der St.Galler Fürstabt Otmar Kunz durch, dass auch die Katholiken jede zweite Woche wieder einen Gottesdienst in der Hemberger Kirche feiern durften. Und Fürstabt Bernhard Müller stiftete am 28. April 1618 eine neue katholische Pfarrpfründe zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit, Maria (als besonderer Patronin), Gallus und Otmar, wobei diese Heiligen nicht als eigentliche Kirchenpatrone von Hemberg angesehen werden dürfen. Für die Katholiken war nach wie vor Johannes der Täufer Patron der paritätischen Kirche von Hemberg.

1779 bezogen die reformierten Hemberger ein neues Gotteshaus und überließen die alte Kirche ein Jahr später den Katholiken. Diese begannen 1781 ebenfalls mit dem Bau einer neuen Kirche, die neben Johannes dem Täufer auch Sankt Andreas als Patron erhielt. Heute gilt in der Bevölkerung allerdings Sankt Anna als Kirchenpatronin. Anna, die Mutter der Jungfrau Maria, wird in Hemberg schon seit dem Mittelalter verehrt. Dicht bei der ehemaligen Pfarrkirche stand eine Annakapelle, die 1781 abgebrochen und im Erdgeschoss des Turms in die neu errichtete Kirche integriert wurde.


Panorama
 
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Literatur

Anderes, Bernhard; Hauser, Albert; Lehmann, Norbert (Hg.), allerHeiligen. Namens- und Kirchenpatrone, Schutzheilige, Nothelfer, Pfäffikon 1998.

Baggio Rösler, Carmen, Die St.Galler Landkirchen des Spätbarock, in: Fürstabtei St.Gallen – Untergang und Erbe 1805/2005. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen, 10. September 2005 – 9. Juli 2006, St.Gallen 2005, S. 181–190.

Bühler, Beat, Gegenreformation und katholische Reform in den stift-st.gallischen Pfarreien der Diözese Konstanz unter den Äbten Otmar Kunz (1564-1477) und Joachim Opser (1577-1594), St.Gallen 1988 (St.Galler Kultur und Geschichte 18).

Erhart, Peter; Kuratli Hüeblin, Jakob; Oberholzer, Paul, 1400xGallus, St.Gallen 2012.

Grünenfelder, Josef, Beiträge zum Bau der St.Galler Landkirchen unter dem Offizial P. Iso Walser 1759-1785, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 85 (1967).

Huber, Johannes, Entlang der Fürstenland-Strasse. Die Kulturlandschaft der Abtei St.Gallen, St.Gallen 2008.

Kern, Peter, Kirchenfest und Kirchenbrauch, in: Fürstabtei St.Gallen – Untergang und Erbe 1805/2005. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen, 10. September 2005 – 9. Juli 2006, St.Gallen 2005, S. 217–224.

Staerkle, Paul, Von den Sankt Gallus-Patrozinien, in: Bischöfliches Ordinariat und Katholischer Administrationsrat St.Gallen (Hg.), Sankt Gallus Gedenkbuch. Zur Erinnerung an die Dreizehnhundert-Jahr-Feier vom Tode des heiligen Gallus am 16. Oktober 1951, St.Gallen 1952, S. 48–74.

Stückelberger, Hans Martin, Hemberg 878-1978. Eine geschichtliche Darstellung, Hemberg 1978.

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Stand: Dezember 2017