Hard

Der Weiler Hard ist auch heute noch landwirtschaftlich geprägt. (2015)
Von der Sankt Gallus-Kapelle aus genießt man eine schöne Aussicht über das St.Galler und Vorarlberger Rheintal. (2013)
Die Kapelle im Hard liegt etwa sechs Kilometer vom ursprünglichen Pfarrort Montlingen entfernt. Heute gehört sie zur 1801 gegründeten Pfarrei Kobelwald. (2013)
Die Sakristei ist in einem schlichten Anbau an den Chor untergebracht. Sie war einst wie der Glockenturm geschindelt, erhielt aber anlässlich der Renovierung von 1912–14 ein Ziegeldach. (2013)
Der Hauptaltar zeigt die Ölberg-Szene: Ein Engel reicht Jesus den Kelch, darüber Gottvater und der hl. Geist. Flankiert wird der Altar von Figuren der Heiligen Philipp Neri (links) und Aloisius von Gonzaga. (2013)
Das Deckengemälde mit Sankt Gallus an der Steinach ist ein spätes Werk des Uznacher Kirchenmalers Franz Vettiger (1846–1907). (2013)

Die Kapelle Sankt Gallus im Hard hat ihren Ursprung im 18. Jahrhundert. Sie wurde mit dem Ziel errichtet, die katholische Seelsorge im konfessionell gemischten St.Galler Rheintal zu intensivieren. Den Sonntagsgottesdienst mussten die Bewohner des Weilers Hard zwar nach wie vor in der sechs Kilometer entfernten Pfarrkirche von Montlingen besuchen. Im Jahr 1765 erlaubte der Konstanzer Generalvikar jedoch die Feier von Werktagsmessen in der Kapelle. Der Kaplan von Montlingen kam in der Folge regelmäßig nach Hard, um das Heilige Messopfer zu feiern.

Die archivalische Überlieferung gibt nur fragmentarisch Auskunft über die ältere Kapellgeschichte. So lässt sich beispielsweise die chronikalische Überlieferung, dass das Gotteshaus 1797 abgebrochen und durch ein neues ersetzt worden sei, nicht überprüfen. Es ist auch nicht klar, weshalb (und wann) der kleinen Kapelle im Rheintal die große Ehre zuteilwurde, den heiligen Landespatron Gallus als Patron zu führen. Vielleicht gab dazu ein Kompetenzstreit zwischen dem Kloster St.Gallen und dem Bistum Konstanz den Anlass. Abt und Bischof stritten sich nämlich um das Installationsrecht des Kaplans von Montlingen, das heißt um das Recht, diesen Kaplan auszuwählen und in sein Amt einzusetzen. St.Gallen konnte sich am Ende durchsetzen. Denkbar, dass das Kloster in der durch den Montlinger Kaplan betreuten Kapelle im Hard Präsenz markieren und seinen Machtanspruch mit dem Galluspatrozinium sinnfällig machen wollte. Möglicherweise wurde Sankt Gallus aber auch erst nach der Aufhebung der Fürstabtei Patron im Hard.

Ab 1808 wurde die Harder Sankt Gallus-Kapelle vom Pfarrer der 1801 neu errichteten Pfarrei Kobelwald betreut. Im Sommer las er alle 14 Tage, im Winter sogar wöchentlich die Heilige Messe. 1880 erhielt die Kapelle drei Rokokoaltäre aus der St.Galler Wallfahrtskirche Heiligkreuz geschenkt. Der Hauptaltar zeigt die Ölberg-Szene, die Nebenaltäre Maria und Josef. Restaurierungen hat die Kapelle in den Jahren 1912–14, 1975/76 sowie 2002 erfahren. Seit 1975/76 steht das Gotteshaus unter dem Denkmalschutz der Schweizerischen Eidgenossenschaft.


Panorama
 
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Literatur

Erhart, Peter; Kuratli Hüeblin, Jakob; Oberholzer, Paul, 1400xGallus, St.Gallen 2012.

Huber, Johannes, Architekt Hardegger im Rheintal. Am Übergang zum flächendeckenden Prinzip, in: Unser Rheintal 54 (1997), S. 133–165.

Huber, Johannes, Die Gotteshäuser der Pfarrei Kobelwald SG. Kunst- und Kulturführer, Kobelwald 1998.

Huber, Johannes, Entlang der Fürstenland-Strasse. Die Kulturlandschaft der Abtei St.Gallen, St.Gallen 2008.

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Stand: Dezember 2017