Grabs

Das Begegnungszentrum Gallus in Grabs stammt aus den 1980er-Jahren. (2014)
Das ›Gallus‹ wurde ausdrücklich nicht als Kirche oder Kapelle, sondern als kirchliches Begegnungszentrum errichtet. Es ist damit auch ein Zeugnis der sich wandelnden Bedürfnisse christlicher Gemeinden. (2014)
Der Grundstein des Begegnungszentrums ist ein Werk des einheimischen Bildhauers Josef Kostezer (1931–1991). (2014)
Die Kapelle ist der wichtigste Raum im Begegnungszentrum Gallus in Grabs. (2014)
Der Turm der reformierten Kirche Grabs überragt das Begegnungszentrum Gallus. Die Kirchgemeinde Buchs-Grabs hat sich 1983 gegen den Bau eines eigenen Glockentürmchens ausgesprochen. (2014)

Grabs war zwar eine wichtige Station im Leben des heiligen Gallus, umgekehrt spielten Sankt Gallus und St.Gallen in Grabs allerdings nie eine wesentliche Rolle. Das Kloster St.Gallen besaß hier keine Rechte oder Güter (obwohl die älteste Urkunde von Grabs heute im Stiftsarchiv St.Gallen aufbewahrt wird), und im Mittelalter war hier kein Gotteshaus dem heiligen Gallus geweiht.

Im Jahr 1529 setzten die Glarner Landvögte von Werdenberg bei ihren Untertanen, zu denen die Grabser gehörten, die Reformation durch. Das christliche Leben ging wohl weiter, aber an eine Kirche mit einem Heiligenpatron war nun lange nicht zu denken. Noch im Jahr 1850 gab es nur gerade 8 Katholiken in Grabs. Sie machten damals verschwindende 0.25% der Dorfbevölkerung aus.

Wie die Katholiken von Buchs, so wurden auch jene von Grabs von der Pfarrei Gams aus betreut. Nachdem die Buchser Bevölkerung im 19. Jahrhundert stark angewachsen war – auch an Katholiken –, konnte hier im Jahr 1898 eine katholische Herz-Jesu Kirche errichtet und eine Pfarrei gegründet werden. Ein wesentliches Verdienst am Buchser Kirchenbau hatte der umtriebige Pfarrer Johannes Künzle (der ›Kräuterpfarrer‹), der zuvor schon Seelsorger in Libingen und Amden gewesen war.

Die Katholiken aus dem südlichen Ortsteil von Grabs gehörten nun zur Pfarrei Buchs, jene nördlich des Dorfbachs aber weiterhin zu Gams. Dies änderte sich erst im Jahr 1977, als der Administrationsrat, die demokratische Oberbehörde der St.Galler Katholiken, die Angliederung des gesamten Gemeindegebiets von Grabs an die Kirchgemeinde Buchs beschloss, was die St.Galler Kantonsregierung auch bewilligte. Seit dem 1. Januar 1978 besteht die heutige katholische Pfarrei und Kirchgemeinde Buchs-Grabs.

Bereits im Januar 1961 war in Grabs die Gründung einer Kapellgenossenschaft erfolgt, mit dem Ziel, im Ort ein eigenes katholisches Gotteshaus zu errichten. Ab 1965 konnte im ökumenischen Gebetsraum des Grabser Spitals jeweils am Sonntag eine Heilige Messe gefeiert werden. Zu Beginn der 1980er-Jahre organisierten sich einige Grabser Katholiken in einer Aktionsgruppe, um die Verwirklichung eines eigenen Versammlungsorts im Dorf voranzutreiben. Dabei stand nicht mehr einfach der Wunsch nach einer ›gewöhnlichen‹ Kapelle im Zentrum, vielmehr sollte in Grabs ein kirchliches ›Begegnungszentrum‹ nach den Bedürfnissen der damaligen Zeit entstehen.

Im Sommer 1981 lancierte die Aktionsgruppe unter den Gemeindeangehörigen eine Umfrage und erstellte einen Anforderungskatalog an das Raumprogramm des neuen Zentrums. Die Abstimmung über die definitive Realisierung des (nicht unumstrittenen) Bauprojekts fand am 9. Dezember 1983 statt. Die Kirchbürger von Buchs-Grabs gaben ihre Zustimmung. Am 21. Mai 1984 fand der erste Spatenstich und am 30. September die Grundsteinlegung statt. Die Einweihung des Grabser Begegnungszentrums, das den Namen ›Gallus‹ erhielt, erfolgte am 1. September 1985.

So erhielt Sankt Gallus, 1370 Jahre nachdem ihm der Diakon Johannes hier vorübergehend Asyl gewährt hatte, in Grabs doch noch einen würdigen Erinnerungsort.


Panorama
 
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Literatur

Erhart, Peter; Kuratli Hüeblin, Jakob; Oberholzer, Paul, 1400xGallus, St.Gallen 2012.

Hilty, Gerold, Die Flucht des heiligen Gallus nach Grabs, in: Terra plana 4 (1981), S. 32–35.

Hilty, Gerold, Wie der Diakon Johannes von Grabs Bischof von Konstanz wurde. Aus den Lebensbeschreibungen des heiligen Gallus, in: Werdenberger Jahrbuch 5 (1992), S. 50–58.

Kath. Kirchgemeinde Buchs-Grabs (Hg.), 100 Jahre Katholische Pfarrei Buchs-Grabs, Buchs [1998].

Schär, Max, Gallus und Grabs. Umstände und Bedeutung der Flucht nach Churrätien, in: Werdenberger Jahrbuch 25 (2012), S. 70–80.

Schmid, Christian, Gallusland. Auf den Spuren des heiligen Gallus, Freiburg i. Ü. 2011.

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Stand: Dezember 2017