Gallenweiler

Der Ortsname Gallenweiler könnte von Sankt Gallus abgeleitet sein. (2014)
Im Jahr 1527 wird in der Kirche von Gallenweiler ein Sankt Gallus-Altar erwähnt. (2017)
Das Langhaus der evangelischen Kirche von Gallenweiler entstand in den 1790er-, der Turm in den 1860er-Jahren. (2014)
Gallenweiler liegt in der Oberrheinischen Tiefebene und ist umgeben und Feldern und Äckern. Im Hintergrund erhebt sich der Schwarzwald. (2014)

Gallenweiler liegt im Breisgau und gehört seit 1971 zur Stadt Heitersheim. Im 10. Jahrhundert erscheint der Ort noch unter der Bezeichnung Weiler (Wilare). Seit Beginn des 14. Jahrhunderts ist dann allerdings die Namensform Gallenweiler (Gallunwiler) überliefert, die sich wohl zur Präzisierung des häufigen und deshalb leicht verwechselbaren Ortsnamens ›Weiler‹ herausgebildet hatte.

Nach verbreiteter Auffassung soll der Name Gallenweiler auf das Kloster St.Gallen zurückgehen, dem der Ort im Frühmittelalter gehört habe. Dafür gibt es jedoch keine schriftlichen Belege; es lässt sich in Gallenweiler kein sanktgallischer Einfluss nachweisen. Im 14. Jahrhundert hatte die Abtei St. Blasien ausgedehnten Besitz in Gallenweiler. Auch die kirchlichen Rechte lagen damals beim Schwarzwaldkloster.

Möglicherweise war die (von St. Blasien gegründete?) Kirche von Gallenweiler einst dem heiligen Gallus geweiht. Jedenfalls wird im Jahr 1527 in der Pfarrkirche von Gallenweiler ein Gallusaltar erwähnt. Der Ortsname könnte demnach – wie beispielsweise auch im elsässischen Gallwiller und an mehreren anderen Orten – in Anlehnung an den Kirchenpatron entstanden sein. Nach der Reformation geriet der einstige Kirchenpatron zwar in Vergessenheit, der Ortsname blieb aber erhalten.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war Gallenweiler verödet und musste neu besiedelt werden. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurden Dorf und Kirche 1690 von französischen Truppen erneut zerstört. 1696 war der Wiederaufbau der Kirche vollendet, die Fertigstellung des Innenausbaus zog sich aber offenbar in die Länge. 1699 stand das Gotteshaus immer noch ohne Bestuhlung, Altar und Kanzel da.

1792 begannen die Planungen für einen Kirchenneubau. Die Kosten dafür hätten einerseits der (evangelische) Markgraf von Baden und andererseits das (katholische) Domkapitel Basel übernehmen müssen. Der Markgraf war nach altem Herkommen für das Langhaus, das Domkapitel für Chor und Kirchturm baupflichtig. Das Domkapitel, das bereits die Auswirkungen der Französischen Revolution spürte, hielt einen Neubau nicht für nötig. Trotzdem wurde die alte Kirche von Gallenweiler im Jahr 1793 abgerissen und durch eine neue ersetzt. Weil sich das Domkapitel nicht beteiligte, erhielt das neue Gotteshaus weder Chor noch Turm. Es entstand lediglich ein bescheidener, einschiffiger Rechteckbau, dem ein Dachreiter aus Holz aufgesetzt wurde. Die Bevölkerung wünschte sich aber einen ›richtigen‹ Kirchturm, der in den 1860er-Jahren auch endlich gebaut werden konnte.


Literatur

Helm, Johannes, Die existierenden, verschwundenen und aufgegebenen Kirchen und Kapellen im Markgräflerland und in den angrenzenden Gebieten des ehemals vorderösterreichischen Breisgaues sowie des hochstiftlichen Amtes Schliengen. Versuch einer bau- und kunstgeschichtlichen Bestandsaufnahme, Müllheim/Baden 1989.

Hundsnurscher, Franz, Die Investiturprotokolle der Diözese Konstanz aus dem 16. Jahrhundert, Stuttgart 2008-2010.

Krebs, Manfred, Die Investiturprotokolle der Diözese Konstanz aus dem 15. Jahrhundert, in: Freiburger Diözesanarchiv 66-74 (1939-1954).

Sebert, Werner, Die Benediktinerabtei St. Trudpert im Münstertal. Ihre Bau- und Kunstgeschichte, in: Freiburger Diözesanarchiv 82/83 (1962/63), S. 7–126.

Werkmann, L., Historisch-Statistisches über das Decanat Neuenburg im Breisgau bis 1556, in: Freiburger Diözesanarchiv 6 (1871), S. 159–177.

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Stand: Dezember 2017