Basel

Im nördlichen Querhaus des Basler Münsters war bis zur Reformation eine Sankt Gallus-Kapelle untergebracht. Von ihr hat das grandiose romanische Seitenportal seinen Namen erhalten: Galluspforte. (2014)
Die Basler Galluspforte lässt Kunsthistoriker ins Schwärmen geraten. Sie gilt als ältestes romanisches Figurenportal im deutschsprachigen Raum. (2014)
Die Bezeichnung ›Pforte‹ suggeriert zwar eher einen bescheidenen Nebeneingang. Die Galluspforte mit dem darüberliegenden Glücksradfenster ist freilich ein fast schon monumentales Portal. (2014)
In mittelalterlichen Quellen erscheint die Galluspforte unter den Bezeichnungen Porta S. Galli oder Ostium S. Galli, in der Frühen Neuzeit als Galluspforte oder Gallenpforte. (2014)
Auf dem Basler Münsterplatz vor der Galluspforte standen im 16. Jahrhundert Lindenbäume. Heute sind es Kastanienbäume. (2014)
Das Basler Münster von der Wettsteinbrücke aus gesehen. Das nördliche Querhaus mit der Galluspforte ist auf dem Bild gerade eingerüstet. (2015)

Die Galluspforte am nördlichen Querhaus des Basler Münsters gilt als das älteste romanische Figurenportal im deutschsprachigen Raum. Die Datierung ist nicht gesichert, doch wird allgemein von einer Errichtung im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts ausgegangen. Ihren Namen verdankt die Galluspforte der Sankt Gallus-Kapelle, in die man durch sie einst gelangte. Ein Gallusaltar im Basler Münster wird 1272 erstmals erwähnt. Die guten Beziehungen des Bistums Basel zum Kloster St.Gallen, die die Patrozinienwahl begründet haben könnten, reichen freilich bis ins Frühmittelalter zurück. St.Gallen und Basel pflegten schon im 9. Jahrhundert eine Gebetsverbrüderung.

Die Galluskapelle im Basler Münster existiert nicht mehr. 1528/29 wurde Basel reformiert. Die Messe wurde abgeschafft, die Altäre zerschlagen, die kirchliche Kunst zerstört. Es grenzt fast an ein Wunder, dass die Skulpturen der Galluspforte erhalten geblieben sind, denn der Balser Bildersturm gilt als einer der radikalsten überhaupt. Schockiert und angewidert berichtete der Humanist Erasmus von Rotterdam, der die Zerstörungswut als Augenzeuge miterleben musste, seinem Nürnberger Freund Willibald Pirckheimer: »Von Bildwerken ist nichts übriggeblieben. Weder in den Kirchen, noch in den Vorhöfen, noch in den Kreuzgängen, noch in den Klöstern.«

Heute erinnert nur noch der Name der ›Galluspforte‹ an die längst verschwundene Sankt Gallus-Kapelle im Basler Münster. Das Portal wurde bereits im Mittelalter als Porta S. Galli bzw. Ostium S. Galli bezeichnet, und auch nach der Reformation hat die Galluspforte bzw. Gallenpforte ihren Namen im Volksmund behalten. Nur besonders eifrige Protestanten vermieden den Heiligennamen, wie jener Münsterpfleger, der 1592 in seinem Bericht über den baulichen Zustand der Kirche bloß von der großen Nebenthüren gegen den Linden hinus sprach.


Literatur

Basler Münsterbauverein (Hg.), Baugeschichte des Basler Münsters, Basel 1895.

Erhart, Peter; Wagner, Rafael, Beziehungen der frühmittelalterlichen Abtei St.Gallen zum Augstgau, in: helvetia archaeologica 48/190 (2017), S. 38–69.

Haid, Wendelin, Liber decimationis cleri Constanciensis pro Papa de anno 1275, in: Freiburger Diözesanarchiv 1 (1865), S. 1–303.

Maurer-Kuhn, François, Galluspforte. Querhausportal des Basler Münsters, Bern 1990.

Meier, Hans-Rudolf; Schwinn Schürmann, Dorothea (Hg.), Schwelle zum Paradies. Die Galluspforte des Basler Münsters, Basel 2002.

Moeschlin, Felix, Die Galluspforte steht immer da, in: Walter Muschg (Hg.), Schweizer Novellenbuch, Zürich 1939, S. 99–105.

Moullet, Maurice, Die Galluspforte des Basler Münsters, Diss. phil., Basel 1958.

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Stand: Dezember 2017