Altschweier

Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist in Altschweier eine Sankt Gallus-Kapelle bezeugt. Die heutige Pfarrkirche Sankt Gallus wurde in den 1860er-Jahren errichtet. (2013)
Die Altschweierer Sankt Gallus-Kirche entstand nach den Plänen des bekannten badischen Baumeisters Heinrich Hübsch (1795–1863), der die Fertigstellung des Gotteshauses allerdings nicht mehr erlebte. (2016)
Die heutige Gestaltung des Innenraums der Sankt Gallus-Kirche stammt aus den 1990er-Jahren. Sie greift auf die künstlerische Ausstattung des beginnenden 20. Jahrhunderts zurück, die in den 1960er-Jahren vorübergehend in Ungnade gefallen war. (2016)
Das mittlere Chorfenster ist dem Altschweierer Kirchenpatron gewidmet: Sankt Gallus. Er ist im prächtigen Ornat als Abt dargestellt. Die Glasgemälde entstanden anlässlich der Neuausstattung der Kirche von 1903/04. (2013)
Im Vorgarten der Kirche, an der »Konrad-Kappler-Straße«, erinnert eine goldene Tafel an den Kappelwindecker Pfarrer Konrad Kappler, der mit seiner Stiftung von 1834 die Errichtung der Sankt Gallus-Pfarrei Altschweier ermöglichte. (2013)
Erst über dreißig Jahre nach Pfarrer Kappelers Stiftung konnte die Pfarrkirche von Altschweier geweiht werden. (2016)
Vom Pfarrhaus, das direkt neben der Kirche steht, sieht Jesus als ›Guter Hirt‹ auf die Kirchgänger herab. (2013)
Am Standort der alten Sankt Gallus-Kapelle steht heute das Kriegerdenkmal von Altschweier. (2016)

Durch das Weinbaudorf Altschweier am Fuße des Schwarzwalds fließt die Bühlot. Ihr Bachlauf markierte einst die Grenze zwischen den Pfarreien Kappelwindeck und Bühl. Die Altschweierer rechts der Bühlot gehörten zur Pfarrei Sankt Peter und Paul in Bühl, jene links des Baches zur Marienpfarrei Kappelwindeck.

Im Kappelwindecker Teil von Altschweier – also links der Bühlot – stand eine Kapelle, die dem heiligen Gallus geweiht war. Sie wird im Jahr 1717 erstmals schriftlich erwähnt. Möglich, dass sie damals schon etliche Jahre auf dem Buckel hatte – oder einfach schlecht gebaut und unterhalten war. Jedenfalls war das Gotteshaus bereits 1780 so akut einsturzgefährdet, dass man es abreißen und durch ein neues ersetzen musste. Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts fanden in der Sankt Gallus-Kapelle von Altschweier regelmäßig Werktags-Gottesdienste statt. An Sonn- und Feiertagen mussten die Einwohner aber weiterhin die Messe in ihrer Pfarrkirche zu Kappelwindeck bzw. Bühl besuchen.

Im Jahr 1824 wurde auch Altschweier rechts der Bühlot der Pfarrei Kappelwindeck zugeteilt. Nun war das Dorf kirchlich geeint. Doch die Altschweierer empfanden es als ungerecht, dass sie gemäß obrigkeitlichem Entschluss gleich hohe Beiträge an die Pfarrkirche zu entrichten hatten wie die Einwohner von Kappelwindeck, in deren Dorf die Kirche ja schließlich stand. Wenn sie schon die gleichen Pflichten zu tragen hatten, dann sollten ihnen doch auch die gleichen Rechte zustehen, nämlich eine eigene Pfarrkirche mit eigenem Pfarrer im Dorf Altschweier.

Der Kappelwindecker Pfarrer Konrad Kappler (1756–1834) verschloss sich dem Anliegen seiner Altschweierer Gemeindemitglieder nicht, obwohl seiner Pfarrei bei einer Abtrennung von Altschweier gute Einnahmen verloren zu gehen drohten. Im Gegenteil: Kappeler vermachte der Gemeinde Altschweier testamentarisch die hohe Summe von 30‘000 Gulden für den Bau einer eigenen Pfarrkirche und eines Pfarrhauses. 1836 genehmigten das Großherzogtum Baden und das Erzbistum Freiburg ein entsprechendes Gesuch der Gemeinde. Die 30‘000 Gulden erschienen für die Bestreitung aller Aufwände jedoch als zu gering bemessen. Ein Kirchen- und Pfarrhausfond sollte die Bereitstellung von weiterem Kapital sichern.

Bis zur Fertigstellung der Pfarrkirche von Altschweier sollten allerdings noch über drei Jahrzehnte verstreichen. Zunächst führte eine Anfechtung des Testaments von Pfarrer Kappler zu einer jahrelangen Verzögerung. Darauf folgte die unsichere Zeit der 1848er Revolution. Erst in den 1850er Jahren konnte ernsthaft weitergeplant werden. Nachdem im Jahr 1859 das Stiftungsvermögen schon auf über 70‘000 Gulden angewachsen war, stand einem Baubeginn nichts mehr im Wege. 1862 bewilligten die weltlichen und kirchlichen Oberbehörden das Projekt nach den Plänen des Architekten Heinrich Hübsch (1795–1863).

Doch wie schon die Planungsphase, so verlief auch der Kirchenbau nicht ohne Enttäuschungen und Verzögerungen. 1866 musste der Turm abgebrochen und neu aufgezogen werden, nachdem schwere Baumängel festgestellt worden waren. Der Bauleiter, der entgegen den vertraglichen Abmachungen minderwertige Baumaterialien zugelassen hatte, wurde entlassen. Vor Baubeginn hatte er der Gemeinde noch versichert, dass die neue Kirche nicht nur schön, sondern auch »solid und dauerhaft« herauskommen werde…

Nach der Fertigstellung der neuen Pfarrkirche, die den heiligen Gallus zum Patron erhielt, wurde die alte Galluskapelle von Altschweier im Sommer 1870 versteigert und abgebrochen. Heute steht an ihrer Stelle ein Kriegerdenkmal.

Die Pfarrkirche erfuhr zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre erste größere Umgestaltung. Die Gebrüder Metzger aus Überlingen schufen neue Altäre und malten die Kirche neu aus. Ihr Werk fiel jedoch 1966/67 der damaligen Welle der ›Purifizierung‹ zum Opfer, ein Schritt, der in den 1990er-Jahren – so gut es noch ging – wieder rückgängig gemacht wurde.


Panorama
 
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Literatur

Erhart, Peter; Kuratli Hüeblin, Jakob; Oberholzer, Paul, 1400xGallus, St.Gallen 2012.

Laforsch, Sigisbert, 150 Jahre Grundsteinlegung St.Gallus Kirche Altschweier, Altschweier 16. Juli 2013.

Oechsler, Hermann, Die Kirchenpatrone in der Erzdiözese Freiburg, in: Freiburger Diözesanarchiv 35 = NF 8 (1907), S. 162–217.

Sauer, Joseph, Nachwort zur Liste der Kirchenpatrone der Erzdiözese Freiburg, in: Freiburger Diözesanarchiv 35, NF 8 (1907), S. 218–238.

Scheurer, Werner, Pfarrkiche St.Gallus Bühl-Altschweier, Lindenberg i. A. 2000.

Staerkle, Paul, Von den Sankt Gallus-Patrozinien, in: Bischöfliches Ordinariat und Katholischer Administrationsrat St.Gallen (Hg.), Sankt Gallus Gedenkbuch. Zur Erinnerung an die Dreizehnhundert-Jahr-Feier vom Tode des heiligen Gallus am 16. Oktober 1951, St.Gallen 1952, S. 48–74.

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Stand: Dezember 2017